Aachener Radverkehr in der Diskussion - genial-nah.de

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Aachen.  Fast 200 Menschen diskutierten über den Aachener Radverkehr. Das Interesse an der Veranstaltung „Neue Perspektiven für den Radverkehr“ war groß.

Viele Bürgerinnen und Bürger hatten sich für die Informationsveranstaltung der Initiative Aachen in Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen angemeldet und verfolgten am 27. Oktober  interessiert das fast zweieinhalb Stunden dauernde Programm aus Vorträgen und Diskussion in der Couvenhalle der RWTH. „Auch der Aachener Radverkehr boomt, die Städte müssen jetzt ihre Infrastruktur verbessern“, sagte gleich zu Beginn Hans-Joachim Sistenich, Vorstand der Initiative Aachen, in einem Begrüßungs-Statement.

Viel habe sich bei der Stadt Aachen auch bereits getan, erklärte Uwe Müller, Leiter der Abteilung Verkehrsmanagement der Stadt Aachen, in seinem Vortrag. „Wir haben zwar keine lange Tradition wie Münster, verfolgen aber seit den 90-er Jahren eine strukturierte Radverkehrsplanung“, so Müller. Der Umbau der Oppenhoffallee und der Trierer Straße, die Maßnahmenpläne Grabenring und Alleenring sowie der aktuell anstehende Maßnahmenplan Aachen-Ost seien Beispiele dafür. „66 Prozent der Einbahnstraßen in Aachen können Radfahrer in entgegen gesetzter Richtung fahren“, sagte Uwe Müller. Sorgen machen ihm die vielen Unfälle, von denen 45 Prozent Abbiegeunfälle seien. Daher sei Aachen wie andere Städte auch dazu übergegangen, Schutzstreifen auf die Fahrbahn anstatt auf den Gehweg zu verlegen, um die Sichtbeziehungen zu verbessern. In Planung seien auch die Rad-Vorrangrouten, für die Förderanträge gestellt worden seien. Er appellierte an die Autofahrer, beim Abbiegen den „Schulterblick“ nicht zu vergessen.

Dr. Jörg Thiemann-Linden, Verkehrsplaner und ausgewiesener Radverkehrsexperte aus Köln, präsentierte einige Beispiel aus anderen Städten. In Kopenhagen werde versucht, bis 2025 den Anteil der Menschen, die auf dem Weg zur Arbeit das Fahrrad benutzen, von 41 auf 50 Prozent zu erhöhen, die Reisezeit soll um 15 Prozent gesenkt werden. In Berlin sollen vermehrt Grüne Wellen für Radfahrer geschaltet werden, auch München mache „große Sprünge“. Allerdings habe er keine Erfolgsfaktoren ausfindig machen können, warum einige Städte erfolgreicher seien als andere. „Eine Steigerung des Radverkehrs kann auch eine Frage der Werbungsein, denn es bringt den Radverkehr mehr ins Bewusstsein der Menschen hinein“, so Thiemann-Linden.

Ineke Spapé, Professorin an der Fachhochschule Breda, setzte sich in einem sehr lebendigen Vortrag mit der Situation in den Niederlanden auseinander. Jeden Tag seien dort  1,2 Millionen Pendler mit dem Rad unterwegs, um 8 Uhr morgens seien es sogar mehr Radfahrer als Autofahrer. Auch auf dem Amsterdamer Innenring fahren mehr Räder als Pkw. Nur Limburg stehe in der Radnutzung hintenan. Die Nutzung des Rads erreiche mit etwa 12 Prozent nahezu deutsche Verhältnisse.

Die Teilnehmenden setzten sich in der anschließenden Diskussion, die von Stadt-Sprecher Bernd Büttgens moderiert wurde, zumeist kritisch mit dem Radverkehr auseinander, dabei stand vor allem die Situation in Aachen im Vordergrund des Interesses. Sie forderten „mehr Mut“ von Politik und Verwaltung.

 

Titelbild: Diskussion in der Couvenhalle der RWTH zum Aachener Radverkehr 

Fotos: Jens Stachowitz

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