Dekontaminationsübung des Kreis-Katastrophenschutzes - genial-nah.de

Kreis Soest. An einem der heißesten Tage des Jahres waren die Aufgaben bei einer Dekontaminationsübung des Kreis-Katastrophenschutzes am Klinikum Stadt Soest recht ungleich verteilt.

Einsatzkräfte der Feuerwehren und der DLRG schwitzten am Samstag, 27. August 2016, bei der Dekontaminationsübung unter Schutzanzügen, Patientendarsteller kamen hingegen in den Genuss einer Dusche. Ein erstes Fazit von Hans-Peter Trilling ärztlicher Leiter Rettungsdienst, fiel positiv aus, eine detaillierte Manöverkritik folgt in den nächsten Wochen.

Das Drehbuch ging von einem Unfall in einem großen Lager für Düngemittel und Pflanzenschutz aus. Beim Umsturz eines Gabelstaplers zerplatzten Säcke, eine weiß-bräunliche Staubwolke verteilte sich im Lager, Mitarbeiter kamen in Kontakt mit einem ätzenden Pflanzenschutzmittel. Eine nach Ansicht der Polizei ernst zu nehmende Terrordrohung legte außerdem nahe, dass das Pulver mit Anthrax-Sporen versetzt worden war.

Ein Übungsszenario, dass geeignet ist, Angst zu verbreiten? Hans-Peter Trilling konterte die Frage eines Übungsbeobachters kompetent: „Nur Themen, auf die man sich nicht vorbereitet, können Angst machen. Für den Katastrophenschutz müssen wir alle Möglichkeiten durchdenken.“ Die Verschärfung der Lage durch den Terroraspekt machte seiner Ansicht nach für die Arbeit der Feuerwehrangehörigen aus Erwitte, Lippetal, Bad Sassendorf und Geseke-Störmede und der DLRG-Sanitätseinsatzgruppe bei der Übung keinen Unterschied. Allerdings gab es eine Premiere für die rund 40 Helfer. Bisher hatten sie die notwendigen Handgriffe nur an Puppen geübt. Dank zehn freiwilliger Patientendarsteller wuschen sie und dekontaminierten damit erstmals „echte“ Menschen.

Für diesen Zweck kam der im Rettungszentrum des Kreises am Soester Boleweg stationierte Abrollbehälter (AB) DEKON-V zum Einsatz. Dieser vom Land NRW beschaffte Container ermöglicht es, innerhalb einer Stunde bis zu 50 verletzte Menschen komplett zu dekontaminieren. In zwei Schnellaufbauzelten findet die Aus- und Ankleide statt, in dem dazwischenliegenden Duschraum im Container die Reinigung. Dank eines Schienensystems können auch liegende Verletzte dekontaminiert werden.

Es war offensichtlich, dass die Brandschützer und Sanitäter die Abläufe im AB DEKON-V bereits oft und ausführlich geübt hatten und auch die Herausforderung, statt Puppen Menschen zu behandeln, wurde gemeistert. Immerhin galt es, die Patientendarsteller lange sechs Minuten abzuduschen. Parallel probte das Klinikum Stadt Soest seine Abläufe. Im Fokus dabei standen unter anderem die Strukturierung der Notaufnahme von mehreren Patienten und der Umgang mit einer Vielzahl von infektiösen Patienten.
(kso.2016.08.27.344.-rn)

Titelbild: Dekontaminationsübung – Dekontaminieren
heißt zunächst einmal waschen. Das wurde bei der
Katastrophenschutzübung des Kreises deutlich.

Foto: Wilhelm Müschenborn/ Kreis Soest – Quelle

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