Fotoausstellung von Jürgen Klück - Stadtanzeiger genial-nah.de

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Landkreis Leer.  Am vergangenen Freitag wurde im Schloss Evenburg die Fotoausstellung „… und das achtbeinige Pferd“ des Münsteraner Künstlers Jürgen Klück mit 100 Gästen eröffnet. Zugleich startete Karin Scheffermann, Leiterin des Kulturamts des Landkreises Leer, damit auch die dritte Saison der Evenburg nach der Eröffnung im Mai 2014.

Birgit Zimmermann, Leiterin des Ensembles Evenburg, stellte dem Publikum Jürgen Klück und seine Fotokunst vor. Entstanden sind die Aufnahmen der Ausstellung auf der ostfriesischen Insel Norderney. Klück verbindet seit Schulzeiten die Liebe zu den Bereichen „jenseits des Leuchtturms“, da wo die wilden einsamen Dünenlandschaften zu finden sind. Die früheren Bewohner des Schlosses Evenburg zog es dagegen gemeinsam mit dem deutschen Adel in die Sommerfrische des beliebten „Königlichen Seebades Norderney“. Carl Georg von Wedel, der Erbauer der heutigen Evenburg, errichtete für die Familie 1869/70 die Villa Wedel in herausragender Lage am Strand von Norderney. Die Evenburg selber war bei der Anreise nach Norderney ein sehr beliebter Zwischenstopp für viele Gäste.

Klück verwendet bei seinen Aufnahmen eine ganz besondere Technik. Lange Belichtungszeiten werden kombiniert mit bewusst ausgeführten Bewegungen der Kamera. Durch die Langzeitbelichtung verstärken sich zum Teil die Farben und durch die Bewegungen lassen sich scharfe sowie auch unscharfe Bildpartien erzielen. So entsteht eine eigene künstlerische Bildsprache.

Besucher der Evenburg können die Ausstellung bis zum 22. Mai während der regulären Öffnungszeiten, täglich von 10 bis 18 Uhr, besichtigen. Der Eintritt für Schloss und Ausstellung beträgt fünf Euro, Besucher unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

Hintergrund:
Vita von Jürgen Klück
1952 in Selm geboren
1974-1977 Studium der Kunst und Pädagogik in Münster
Bis 1979 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der medienzentrale der Universität Münster
1979-2006 selbständiger Unternehmer
Seit 2007 widmet er sich ganz der künstlerischen Fotografie

Bereits als Kind interessiert sich Jürgen Klück für die Fotografie und strebt den Beruf des Fotografen an. Das Kunst- und Pädagogikstudium an der Westfälischen Wilhelmsuniversität in Münster beginnt er mit der Erwartung dort mehr über Fotografie zu lernen und entdeckt dabei für sich das Filmen. Vor allem für das Widergeben von Lichtphänomenen und die Möglichkeit zugleich mit Musik zu arbeiten, erscheint der Film als das geeignetere Medium für seine Kunst. Mit seiner damaligen Fotografie ist er unzufrieden.
Eine Tür öffnet sich, als Jürgen Klück, durch eine neue Digitalkamera inspiriert, die Möglichkeiten der Langzeitbelichtung auslotet. In der Verknüpfung von Licht, Zeit, Raum und Bewegung findet er seine eigene künstlerische Bildsprache.

Die hier gezeigten Fotografien sind Kunst. Die eigene Idee des Fotografen und das bewusst gestaltete Bild beeinflussen ganz maßgeblich die Aura jeder Aufnahme.
Der Blick durch die Kamera ist ein anderer als durch das menschliche Auge. Beim Betrachten der Aufnahmen gelingt es etwas zu entdecken, was mit dem menschlichen Auge nicht zu sehen ist. Die Kamera wird so zum Vehikel, um Dinge sichtbar zu machen: Ein ganz einfaches Beispiel sind aktuell Aufnahmen mit blühenden Schneeglöckchen vor der Kulisse der Evenburg. Die sind so mit dem menschlichen Auge direkt vor den Mauern der Evenburg nur zu sehen, wenn man sich bäuchlings auf den Rasen legt.

In den vielen Jahren, die Jürgen Klück Norderney besucht, hat er erkannt, dass vor allem im November die Lichtphänomene die größte Dramatik zeigen. So entstehen expressionistische, wie gemalt erscheinende Bilder, der Eindruck von Landschaften im Farbenrausch. Die im November bereits karge Landschaft erscheint geradezu samtig durch die langen Belichtungszeiten.

Auf anderen Aufnahmen entsteht eine angestrebte Reduktion auf das Wesentliche -Unwichtiges verschwindet. Auch menschliche Konturen verwischen, werden Teil der Farbkomposition und verschwinden im Hintergrund. Der Mensch wird Teil der Landschaft oder erscheint als skurrile Figur.

Manche Aufnahmen erscheinen wie Wüsten. In der Wüste ist gar nichts von Menschenhand Gemachtes vorhanden – der Sand überdeckt alles. Diese Landschaften erscheinen gewaltig, zeitgleich doch so friedlich und zeigen wie klein der Mensch ist.

Es werden auch Landschaften im Nebel gezeigt. Diese Bilder erzeugen eine Gänsehaut und geben eine Mystik wieder. Es sind Abbildungen, die nicht die vorhersehbare Idylle einer ostfriesischen Insel zeigen. Jürgen Klück zeigt mit seinen Aufnahmen eine andere und unerwartete weitere Realität.

Titelbild: Eröffnung der Fotoausstellung „… und das achtbeinige Pferd“

Foto:  Landkreis Leer/Jürgen Bambrowicz

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