Geilenkirchen. Das Ehrenamt ist eine wichtige Säule des sozialen Zusammenhalts in unserer freiheitlich verfassten Gesellschaft. Manche bezeichnen das Ehrenamt als „Kitt“ oder „Klebstoff“, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass genau dieses selbstlose Engagement ungeahnte bindenden Kräfte entwickeln kann. Meist bleiben genau die Menschen, die für das Sozialwesen absolut notwendige alltägliche Arbeit verrichten, im Hintergrund. Daher ist es mehr als fair, einige von ihnen stellvertretend für die vielen anderen zu ehren und deren Arbeit als beispielhaft herauszustellen. Soweit, so gut.

Der Geilenkirchener SPD-Parteichef Stefan Mesaros hat nun erklärt: „Die Welle von Flüchtlingen und der damit verbundene große Einsatz der Bevölkerung hat gezeigt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist. Diese Ehrenamtler sind für uns die Helden des Alltags“.

Doch wieso Helden? Wikipedia beispielsweise zitiert eine Definition aus dem Jahre 2010: „Helden sind Männer (oder seltener Frauen), die für Andere oder im Namen einer Idee große Taten vollbringen und dabei ihr Leben wagen.“

Gibt es demnach qua Vorgabe der SPD-Geilenkirchen also keine „Heldinnen des Alltags“ trotz aller Quoten?

Und wo genau riskierten diese ehrenwerten Menschen, die nun für ihr lobenswertes Engagement einen Preis bekommen sollten, genau ihr Leben? Ist der „große Einsatz“ beispielsweise für Flüchtlinge inzwischen wirklich schon lebensgefährlich? Es wird Zeit, dass die Sozialdemokraten hierzu Auskunft geben, um nicht genau die Mitmenschen zu verschrecken, die hätten eigentlich ohne Heldentaten zu erbringen einfach nur helfen wollen.

Ein Blick in die Suchmaschinen des Internets offenbart: Da gibt es tatsächlich eine Seite „Helden des Alltags“. Dort findes man u.a. Helden der Kühlschränke  – Ghettofrühstück.

Unter der Rubrik „Heldinnen“ kommt da für meine Begriffe wirklich Merkwürdige zu Tage. Tattoo Girls zähle ich für meinen Geschmack nicht zu „Heldin des Alltags“. Da fällt mir doch eher die französische Nationalheldin Jeanne d’Arc ein.

Ich schlage daher vor, den wirklich wertvollen wie notwendigen Preis für bürgerschaftliches Engagement besser in „Vorbilder des Alltags“ umzubenennen, um a priori jeglichen unnötigen Beigeschmack für die wirklich gute Sache zu vermeiden.

 

Foto: Jürgen Dackweiler

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