Grenzüberschreitender Heimattag in Bredevoort - genial-nah.de

Stadtanzeiger Kreis Borken: Nachrichten aus dem Kreis – news: #genial-nah

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Stadtanzeiger Aalten: Nachrichten aus der Stadt – news: #genial-nah 

Kreis Borken /AaltenBredevoort. Was bedeutet Heimat? Und wie gelingt es, eine neue Heimat zu finden? Darüber haben beim grenzüberschreitenden Heimattag am Samstag (27. August) in Bredevoort rund 70 Gäste aus dem Kreis Borken und den angrenzenden niederländischen Regionen diskutiert.

Unter dem Titel „Heimat verloren – Heimat gefunden?“ hatten die Kreisheimatpflege Borken in Kooperation mit der Gemeente Aalten und der Stichting Bredevoorts Belang in die Koppelkerk in Bredevoort zum Heimattag eingeladen. Begrüßt wurden die Gäste bei bestem Wetter von Kreisheimatpfleger Alfred Janning.

In seinen einführenden Worten zum Heimattag stellte Henk Rijks, Beigeordneter der Gemeinde Aalten, in vier Sprachen (deutsch, niederländisch, „platt“ und englisch) dar, was für ihn Heimat bedeutet: ‚dort, wo ich mit dem Herzen bin.‘
Borkens stellvertretende Landrätin Silke Sommers bedankte sich nicht nur für das Engagement der vielen Heimatfreundinnen und -freunde, sondern verdeutlichte, wie wichtig das Miteinander und die Integration der Flüchtlinge sei. „Meine Familie musste auch flüchten und sie wurde hier in der Region aufgenommen. Wir sind gut integriert!“

Interessante Parallelen zwischen Flüchtlingen aus dem 18. Jahrhundert, nach 1945 und der aktuellen Flüchtlingssituation zeigte der Vortrag von Dr. Volker Tschuschke aus Vreden auf. Viele „vermeidliche Vorurteile“ habe es bereits in der Vergangenheit gegeben, ebenso die Angst vor dem Unbekannten und die Sorgen vor Benachteiligung. Doch Dr. Tschuschke betonte auch, dass Integration im Westmünsterland erfolgreich gewesen ist und diese letztendlich auch als Chance betrachtet wurde.
Gerda Brethouwer, Direktorin des Aaltense Musea, verdeutlichte in ihrem Vortrag, dass die Lebenssituation vieler Flüchtlinge in der Welt heute mit jener der vielen „Untergetauchten“ vergleichbar ist: Sie hielten sich während des  Dritten Reichs in Aalten auf, versteckten sich oder wurden versteckt. Unter Planen, kaum geschützt vor Wind und Wetter, hofften die Untergetauchten auf eine bessere Zukunft – darauf hofften die aktuellen Flüchtlinge ebenfalls. Zur aktuellen Flüchtlingssituation im Achterhoek referierte Alice Roerdink von der Gemeente Aalten. Sie stellte die Zahlenverhältnisse von Einwohnern zu Asylsuchenden vor und betonte, dass nicht jeder, der zu bleiben wünsche, auch wirklich in dem Gastgeberland eine neue Heimat finde.

Auch setzten die Nachbarn in den Niederlanden auf ehrenamtliches Engagement bei der Eingliederung der Neubürger – ohne Begleiter mit Sprachkenntnissen und Zeit sei Integration nicht in dem gewünschten Umfang zu leisten.
Gelebte und erfolgreiche Praxis schilderte Rebecca Brüggemann vom Heimatverein Asbeck in ihrem Vortrag. Der Verein helfe und unterstütze die Flüchtlinge in den verschiedensten Bereichen – ob bei Behördengängen, Deutschkursen oder bei gemeinsamen Aktivitäten wie Sport und Essen kochen, der Heimatverein versuche, eine Art „Brückenbauer“ für die neuen Bewohnerinnen und Bewohner zu sein. „Unser Vorteil ist, dass wir eine kleine Dorfgemeinschaft sind, der die Integration der Flüchtlinge sehr wichtig ist. Unsere Ideen und Arbeit sind nicht auf größere Gemeinden und Städte übertragbar. Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe, damit die Flüchtlinge selbstbestimmt ihr Leben in die Hand nehmen können.“ Und besonders sei hervorzuheben, dass die „Arbeit“ mit den Neubürgern keine Einbahnstraße oder gar Sackgasse ist – Dankbarkeit, Gegeneinladungen zum Essen, neue persönliche Erfahrungen seien nur einige Aspekte, die den „Aufwand“ belohnten.
In der anschließenden  Diskussionsrunde zeigte sich deutlich, dass der Wille bei vielen Anwesenden besteht, Projekte zu beginnen, um den Flüchtlingen – wenn auch vielleicht nur vorübergehend – eine neue Heimat hier in der Region zu geben.

Titelbild: Begrüßten und informierten beim grenzüberschreitenden Heimattag die Gäste
(v. l.n.r..) Alice Roerdink, Dr. Volker Tschuschke, Rebecca Brüggemann, Gerda Brethouwer,
Silke Sommers, Alfred Janning, Sylvia Heinen, J.A.C. de Graaf und Henk Rijks.

Foto: Kreis Borken – Quelle