Geilenkirchen-Immendorf. Ein historisches Kassenzimmer ist ein interessantes Ausflugsziel für Jung und Alt und bietet für den einen oder anderen mehr Möglichkeiten zur inneren Einkehr als manch ein Kloster.

Es war eine eher spontane Idee, einmal ein historisches Klassenzimmer in Geilenkirchen-Immendorf in Augenschein zu nehmen. Noch suchte ich im Eingangsbereich mit den vielen hochinteressanten Ausstellungsstücken ein wenig nach Orientierung und wollte mich gerade mental Einschwingen auf die „gute alte Zeit“, da begrüßte mich schon ein Lehrer des alten Schlages in aller so aus meiner Erinnerung nicht gekannter Freundlichkeit. Lehrer vom Studienassessor aufwärts kannte ich nur in strenger Haltung Lehrer-Podest aus belehrend.

historisches Klassenzimmer - eine Chance zur Rückbesinnung

Historisches Klassenzimmer mit all dem, was seinerzeit den Schulunterricht ausmachte. – Foto: Hartmut Urban

 

Ein historisches Klassenzimmer wie das in Immendorf präsentiert sich ganz offensichtlich anders. Doch dieser Bruch zwischen meiner Erfahrungswelt historischer Wahrhaftigkeit und der heutigen Vermittlung historischer Tatsachen istan dieser Stelle  m.E. sympathisch verzeihlich. Dr. Ferdinand Zander, OStR i.R., eben jener Lehrer im historischen Klassenzimmer, der mich so freundlich empfing, hatte 29 Jahre am St. Ursula Gymnasium Geilenkirchen unterrichtet. Ihm heute zur Seite stand die ebenso herzensgute Frau Martha Plus, die wie Lehrer Zander ehrenamtlich die Vermittlung diverser Pädagogik-Ansätze des letzten Jahrhunderts Lebendigkeit verleihen.

Ein historisches Klassenzimmer als Ort der Inspiration, und schon schossen mir Erinnerungen aus meiner Schulzeit durch den Kopf. Beispielsweise die, als am altehrwürdigen Helmholtz-Gymnasium Dortmund mich ein älterer Herr ansprach und mich freundlich nach dem Weg zum Schulsekretatiat fragte. Das Sekretariat lag ca. 20 Meter zu linken Seite unseres Klassenraums auf dem gleichen Flur schräg gegenüber, doch ich schichte als Sextaner und Lausbub den älteren Herrn die Treppe hinauf in den 3. Stock in den entgegengesetzten Flügel Altbaus. Unser Lehrer eröffnete uns kurze Zeit später, dass der Kultusminister Prof. Dr. Paul Mikat im Hause sei und wir diesmal besonders still und aufmerksam sein sollten. Es dauerte vielleicht zwanzig Minuten, da öffnete sich die Klassentür uns ein Schwall ehrwürdiger Herren, darunter unser Schulleiter kam herein um den Rest der Stunde zu hospitieren. Unter ihnen der ältere Herr, den ich kurz zuvor auf die Reise durch die Stockwerke, Flure und Katakomben unserer Schule geschickt hatte. Der ältere Herr, jener Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen, erkannte mich, lächelte milde wie entwaffnend zu mir herüber. Dies war mein erster direkter Kontakt zur „Obrigkeit“, dem in späteren Jahren die politische wie persönlich enge Freundschaft zu den Kultusministern Jürgen Girgensohn und Hans Schwier folgen sollte.

So in Gedanken verloren, erläuterte mir DR. Ferdinand Zander eine wichtige Erkenntnis seines Berufslebens: „Herr Urban, sie glauben gar nicht, wie sehr sich ein gesamter in sich eingespielter Schulapparat alleine durch eine neue Besetzung der Schulleitung verändert.“ Und Lehrer Zander, dem man heute noch anmerkt, dass er aus Überzeugung und stets mit vollem Einsatz seiner Leidenschaft für den Lehrberuf tätig gewesen ist, fügte ein wenig stolz hinzu: „Ich habe drei Schulleitungen überlebt und bin nicht im Zorn gegangen!“ Es waren, wie er weiter berichtete, zuerst die Nonne Schwester Mechthild, dann ab 1974 Karl Eschweiler und zuletzt ab 1993 Matthias Küsters. Wenn man zwischen den Zeilen genauer hinhörte, müssen die 19 Jahre unter Karl Eschweiler für unseren freundlichen Lehrer Zander i.R. eine einzige Qual gewesen sein, während Schule, Schüler und Lehrer unter Matthias Küsters wieder aufblühten. Wie wichtig es also ist, eine Schule in wirklich fachlich wie menschlich kompetente Hände zu legen, sollte künftig Schulträgern wie Schulaufsicht noch bewusster sein, schließlich geht es hier in erster Linie um die Zukunft von jungen Menschen, die nicht verbaut zu werden braucht. Viele tausend Schicksale hängen oft an einer einzigen Person, die entweder die Kraft und Fähigkeit hat, pädagogisch-didaktisch wie menschlich eine Führungsrolle in aller gebotenen Verantwortung auszufüllen, oder nicht.

Ein historisches Klassenzimmer kann daher neben der Illustration von Schule der Vergangenheit für Schüler mit Zukunft ein interessantes Experiment sein, Verständnis zu wecken und Schule in der heute gegebenen Form nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen, sondern das historische Klassenzimmer kann auch für die Entscheidungsträger, die Schulleitungen bestellen, ein Ort der inneren Einkehr sein, sich der immensen Verantwortung in aller Klarheit bewusst zu werden, Schüler und deren Schicksale nicht ohne die letztendliche Sorgfalt in die falschen Hände zu legen.

Historisches Klassenzimmer
Schulstunde im alten Stil. Sie sind herzlich eingeladen, wie zahlreiche andere Schulklassen und Gruppen, an einer Schulstunde im historischen Klassenzimmer teilzunehmen.

Auskunft erteilt:
Marianne Höppener, Tel. 02451 4090996

Öffnungszeiten: Donnerstags von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr, sonntags von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr und nach Vereinbarung. Eintritt frei!

 

Titelbild: Dr. Ferdinand Zander, OStR i.R.,
historisches Klassenzimmer von Immendorf

Foto: Hartmut Urban

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One thought on “Historisches Klassenzimmer von Immendorf

  1. Sehr geehrte Damen und Herren, die Immendorfer Schule und den Ort habe ich in guter Erinnerung-ebenso meine früheren Kolleginnen und Kollegen: ich war von 1975 bis 1980 Junglehrer dort (als Herr Josef Kratz und Herr Seekircher dort in der Schulleitung waren). Das historische Klassenzimmer habe ich bereist besucht (es gibt etwas Ähnliches in Bergisch Gladbach). Die Schüler von damals habe ich noch in sehr guter Erinnerung, sie haben mich vor ein paar Jahren nach Randerath eingeladen.
    Für Ihre Arbeit wünsche ich Ihnen viel Erfolg !
    Franz Hirtz, Aachen

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