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Aachen. Der Instinkteuropäer und Karlspreisträger 2015, Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, erläuterte in seiner Dankesrede zur Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen 2015 wesentliche Ursachen, warum gerade Bewohner der Drei-Länder-Grenzregion um Aachen besonders sensibel sind, wenn es um Fragen Europas geht.

Wer seit frühester Kindheit miterlebt hat, was es bedeutet, ständig furchterregt und nicht selten gegängelt Grenzen passieren zu müssen, wer um das nackte Überleben die eigene Angst überwindend geschmuggelt hat, wer die mentalen und rechtlichen Unterschiede diesseits und jenseits der Grenzen zu spüren bekommen hat, der ist zwangsläufig mit der Zeit zu einem Instinkteuropäer gereift. So erinnert sich Martin Schulz: „Für uns alle, die wir nach dem Krieg in diesem deutsch-niederländisch-belgischen Dreiländereck aufgewachsen sind, in diesem europäischen Mikrokosmos, war die Erfahrung mit Grenzen prägend. Für uns alle war es eine alltägliche Erfahrung, in engen, durch hölzerne Schlagbäume markierte Grenzen zu leben. Grenzen, an denen sich lange Schlangen bildeten, wenn man am Wochenende zum Einkaufen oder zum Verwandtenbesuch rüber fuhr.“

Karlspreis 2015

Bühne auf dem Aachener Markt (v.l.n.r.): Präsident von Frankreich S.E. Francois Hollande, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland Joachim Gauck, König von Spanien Felipe VI. – Foto: Hartmut Urban

 

Martin Schulz forderte, die Fenster und Türen des Hauses Europa weit zu öffnen, damit die Menschen hineinschauen können. Politische Entscheidungen müssten möglichst nahe an den Menschen getroffen werden, um sie in den Auswirkungen inhaltlich wie gefühlsmäßig mitnehmen zu können. Nur was wirklich erkennbar und bewehrtbar sei, würde emotional angenommen. Transparenz sei das Gebot der Stunde. Nur so können man auf Dauer das Fremde überwinden und das Einende schaffen, meinte der leidenschaftliche Instinkteuropäer Schulz. Nur so könne Europa nach Innen geeint und nach Außen gestärkt werden.

Instinkteuropäer

Zu Ehren von Martin Schultz, dem Instinkteuropäer, spielte Pater Maffay auf. – Foto: Hartmut Urban

Mit einem Appell adressiert insbesondere an diejenigen, die wie der Instinkteuropäer meinte, eher nicht bei der Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen 2015 anwesend waren, sondern draußen im Land ihre oft verhängnisvollen Statements abgeben, rief Martin Schulz zu: „Hört endlich damit auf, Misserfolge Brüssel in die Schuhe zu schieben und Erfolge stets auf die Nationale Fahne zu schreiben!“ Denn das belastet die europäische Idee ungemein und bindet unnötig Ressourcen, die zu Weiterentwicklung des Hauses Europa dringend gebraucht werden.

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Die amtierende Bundespräsidentin der Schweiz, Simonetta Sommaruga, die am 14. Mai, dem Tag der Karlspreisverleihung 2015 ihren 55. Geburtstag feierte, bekam vom Oberbürgermeister der Stadt Aachen, Marcel Philipp sowie im Namen der anwesenden Gäste, einen Blumenstrauß. – Foto: Hartmut Urban

Der Instinkteuropäer erinnerte insbesondere daran, dass seine Generation in Mitteleuropa  in den vollen Genuss der längsten bekannten Phase der Menschheitsgeschichte immerhin 70 Jahre Frieden gekommen sei, was manche Unbill des Alltags mehr als auszugleichen geeignet sei. Und Schulz bekräftigte seine Auffassung: „Demokratie braucht Streit. Sichtbarkeit braucht Streit. Nicht um seiner selbst willen, sondern um zum bestmöglichen Ergebnis zu kommen. Denn Steit zeigt Alternativen auf.“ Und der Instinkteuropäer Martin Schulz fügte programmatisch hinzu: „Ja, ich versiúche in meiner Amtszeit das Europäische Parlament stärker zu einem Ort des Streites zu machen – ich tue dies bewusst, damit die Institution als Ganzes und die europäische Demokratie dadurch gewinnen.“

Titelbild: Martin Schultz, Träger des Karlspreises 2015
während seiner Dankesrede im Krönungssaal des Rathauses
zu Aachen. Foto: Hartmut Urban

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