Kanonensplitter tötet Schützenkönig - Eine Glosse von Jan Mönch

Übach-Palenberg / Marsberg.

Gestern tötete ein Kanonensplitter den Schützenkönig, weil offenbar Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten worden waren. Der Geilenkirchener Lokalredakteur Jan Mönch hatte seinerzeit in Bezug auf Kanonenböller die Stadtverwaltung von Übach-Palenberg als  „kleinkariert“ bezeichnet.  Doch seine Ironie, „Was hätte nicht alles passieren können„, ist anderenorts bittere Wirklichkeit geworden.

Was in Marsberg gestern geschah, hätte auch in Übach vor dem Rathaus nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden können. Kanonensplitter hätten auch in Übach Menschen töten können. Das jedenfalls war die Einschätzung der Stadtverwaltung, die den von Karnevalisten erhofften Kanonenböller auf das Rathaus wegen einer fehlenden Genehmigung durch die Bezirksregierung untersagt hatte.

Jan Mönch jedenfalls ließ es sich seinerzeit nicht nehmen, per Glosse öffentlich in genau das Horn zu blasen, von dem er vermuten konnte, dies gefalle den Karnevalisten. Von wegen ‚gefährliche Kanonensplitter‚, lass die Leute doch feiern, verlautbarte er in der Lokalpresse, und machte sich die gefühlte Mehrheitsmeinung öffentlich zu eigen, um negative Stimmung zu verbreiten. Die Stadtverwaltung wurde als „Spielverderber“ und „Spaßbremse“ bezeichnet.

Die keine 2 Jahre später aufgelöste KG Scherpe-Bösch-Wenk hatte „ihre alte Kanone, mithin ein Museumsstück zum 60. Geburtstag der KG noch einmal liebevoll auf Vordermann gebracht und voller Vorfreude auf dem Marktplatz aufgefahren„, schrieb  jener Stimmungsmacher Jan Mönch.  Die KG Scherpe-Bösch-Wenk plante zur Übach-Palenberger Rathaussturm das Schmuckstück auf den Rathausplatz vor versammelten Publikum „mit Donnerhall“ abzufeuern.

Leider lag keine Genehmigung der Bezirksregierung vor, der eine intensive Inspektion der Kanone, wie der Art des zur Verwendung kommenden ‚Sprengstoffes‚ hätte vorausgehen müssen, denn eine solche Kanone kann explodieren. Gefährliche Kanonensplitter können umherfliegen. Statt als Tageszeitung die Menschen in angemessener Form über diese gesetzliche Sachlage zu informieren, schlug sich Jan Mönch öffentlich auf die Seite derer, die es mit Recht und Gesetz nicht so genau nehmen. Und so polterte Jan Mönch: „Und das ohne Genehmigung. Oh-ne Ge-neh-mi-gung!

Ist es wirklich die Aufgabe der Presse, die Leserschaft gegen die Verantwortlichen vor Ort aufzubringen?

Süffisant schrieb Jan Mönch: „Glücklicherweise aber hatte ein Rathausbediensteter, der es ganz genau nahm, aufgepasst und versaute den Übach-Palenberger Narren gerade noch rechtzeitig den Spaß„. Und weil den nicht genug war, setzte Jan Mönch noch einen drauf, indem er hinzufügte, der Bedienstete der Stadt habe „praktisch im Vorbeigehen – Übach-Palenberg Alaaf – anderen mit kleinkarierten Vorschriften die Freude verdorben.“

Und dann steigert sich jener Lokalredakteur noch zu der Schlussfolgerung: „Die Stadt schulde ihrem Mitarbeiter Dank, ausgesprochen am liebsten auf Knien“.

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Wer sich dies noch einmal in Erinnerung ruft, angesichts der schrecklichen Tragödie bei Schützenfest im Sauerland, wo der Schützenkönig von einem einzigen Kanonensplitter, der seinen Bauch durchschlug, getötet wurde, der wird heute gewiss zu einer anderen Bewertung kommen als jener Lokalredakteur Jan Mönch.

Ein „Fall Sauerland“ wie in Duisburg, wo Sicherheitsbedenken angesichts des zu erwartenden ‚großen Spaßes‚ zurückgestellt wurden und dann nach der Katastrophe das Geschrei groß war, wird es Dank pflichtbewusster Beamter, die nach Recht und Gesetz handeln, in Übach-Palenberg nicht geben.

Wie hätte wohl der Kommentar vom Lokalredakteur Mönch ausgesehen, wenn die Kanone in Übach hätte gezündet werden dürfen und explodiert wäre? Wie, wenn Kanonensplitter Menschen verletzt oder gar getötet hätten? Wäre dann nicht gerade Jan Mönch der erste gewesen, der laut gerufen hätte: „Wie konnte das passieren? Wer trägt die Verantwortung? Lag eine Genehmigung vor?

Lokalredakteur Mönch muss sich nun angesichts des tödlichen Kanonensplitter fragen lassen: Ist nicht am Ende kleinkariert und sicher besser als hinterfotzig und gefährlich?

 

Titelbild: Zeitungsausschnitt aus einer Glosse von Jan Mönch
vom 13. Febr. 2015 in der Geilenkirchener Zeitung
anlässlich des Rathaussturms in Übach  2015

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