Übach-Palenberg/Kreis Heinsberg. Vor genau zehn Jahren, also im März 2005, hatte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG) unter Führung von Geschäftsführer Dr. Joachim Steiner die ersten Schritte zum Aufbau einer Breitband-Initiative im Rahmen des Standortmarketings für den Kreis Heinsberg unternommen. Diese stand unter dem Motto „Spitze im Westen“.

Auslöser war die Sorge, dass der ländliche Raum wie beispielsweise der Kreis Heinsberg nicht mithalten können, wenn es um die elektronische Kommunikation geht. Dr. Steiner dazu: „Das haben wir als große Gefahr für unseren Standort angesehen.“ Damals war bereits klar, dass Investitionen in diese Technologie vorrangig in Ballungsräumen mit ihrer hohen Nutzerdichte erfolgen und ländliche Räume eher außen vor bleiben würden.

Der Geschäftsführer der WFG erinnert sich, dass die ersten sieben Jahre gekennzeichnet waren von großen Anstrengungen und geringen, kleinräumigen Erfolgen. Es gab zwar eine gute Zusammenarbeit mit West Energie und Verkehr, der späteren NEW-Netz und mit Nuon, später Alliander-Netz. Mit diesen Partnern wurde vereinbart, dass bei allen Tiefbauarbeiten gleich Leerrohre mit verlegt wurden, was auch wirklich erfolgte. Dennoch ist es nur in ganz wenigen Einzelfällen gelungen, die einschlägigen Anbieter von Telekommunikations- und Internetdiensten dazu zu bewegen, mit Hilfe dieser geschaffenen Infrastrukturen tatsächlich Erschließungsmaßnahmen durchzuführen.

Erst als die CDU aus Übach-Palenberg auf Initiative von Steven McLarren die Breitbandversorgung zu einem der zentralen Wahlversprechen zur Kommunalwahl 2009 machte und mit Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, der aus seiner früheren Tätigkeit über die notwendigen Kontakte verfügte, brach das Eis. Mit Provider Accom, der heutigen NetAachen wurden nach der Kommunalwahl Vereinbarungen getroffen, erst einmal den Stadtteil Boscheln in Angriff zu nehmen und tatsächlich kam in Übach-Palenberg Schwung in die Sache und das zuvor gezeigte Desinteresse „am ländlichen Raum“ wurde an einer Stelle aufgebrochen.

Währenddessen war die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Keises Heinsberg nach eigenen „so genervt von den geringen Fortschritten“, dass sie 2011 dem Kreis vorschlug, eine eigene Infrastrukturgesellschaft zu gründen, die diese Investitionen vornehmen sollte. Während also die WEG Heinsberg in den Jahren 2011 und 2012 mit gut bezahlter Beraterunterstützung Konzepte erarbeitete, wurden in Übach-Palenberg unverrückbare Tatsachen geschaffen.

Diese Entwicklung blieb in den benachbarten Niederlanden nicht unbemerkt und so wurde auch die niederländische Investmentgesellschaft Reggeborgh aufmerksam. Die Reggeborgh-Tochter Reggefiber hatte bereits den Breitbandausbau in Südlimburg führend realisiert. Man wollte offensichtlich die Ereignisse jenseits der Grenze, die sich inzwischen in Übach-Palenberg sehr positiv weiter entwickelt hatte, nicht verschlafen und so wollte Reggeborgh auch in Deutschland Glasfasernetze und -anschlüsse verlegen.

Mit Unterstützung der WFG wurde so der Kreis Heinsberg zur Pilotregion. So gelang es auf Anhieb in den meisten angesprochenen Ortslagen bis Ende 2014 für circa 41 000 Haushalte der Ausbau fertig zu stellen, bzw. zu beginnen. Die Gemeinden Gangelt, Selfkant und Waldfeucht, sowie der Übach-Palenberger Ortsteil Scherpenseel wurden nahezu flächendeckend angeschlossen.

Die von der Übach-Palenberger CDU unter Führung von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch initiierte und in der Folge durch den Markteintritt der Deutschen Glasfaser wirkenden Effekte, machte erst die Wettbewerber wach und führte im Kreisgebiet zu diversen Aktivitäten zum Anschluss ans weltweite Internet.

Probleme bereiten hauptsächlich zwei Bereiche, die Gewerbegebiete und die Innenstadtlagen im Kreis Heinsberg. Das Verlegen in Industrie- und Gewerbegebieten ist aufgrund der größeren Abstände zwischen den Nutzern deutlich teurer als in Wohngebieten und in den Innenstadtlagen, die mit Bandbreiten zwischen 16 und 50 Mbit/s versorgt sind, reicht den meisten für den Augenblick. Die Deutschen Glasfaser hat hier deutliche Schwierigkeiten die betriebswirtschaftlich notwendigen 40 Prozent an Anschlüssen zu erreichen.

Dr. Steiner erhebt mahnend den Finger, wenn es um die Zukunftschancen der einzelnen Bereiche im Kreisgebiet geht und ergreift klar Partei für die Glasfasertechnologie: „Wenn ich einen Anschluss habe, der mir 50 Mbit/s auf einem Kupferkabel ins Haus bringt, bin ich ziemlich am Ende der Möglichkeiten meines Anschlusses. Wenn ich 50 Mbit/s über einen Glasfaseranschluss beziehe, weiß ich, dass sich das locker auf das Zehnfache, Hundertfache oder Tausendfache steigern lässt und dass ich für jeden überschaubaren Zeithorizont auf der sicheren Seite bin.“ Und weiter meint er: „Meine Sorge geht dahin, dass das viele Menschen im Kreisgebiet nicht verstehen, nämlich dass jetzt die einmalige Chance besteht, sich zukunftssicher zu machen. Bisher haben kleine, stark unterversorgte Ortslagen zugegriffen: Hier wurden die 40 Prozent nahezu überall erreicht.“ Es steht zu befürchten, dass die Innenstadtlagen des Kreises Heinsberg, was die Versorgung mit der superschnellen Glasfasertechnologie angeht, sich selbst ausschließen und so auf Dauer sich ein Gefälle manifestieren wird, dass entgegen der Befürchtungen vor zehn Jahren nicht den ländlichen Raum in Bezug auf die Zukunftsinfrastruktur abgehängt wird, sondern im Gegenteil. Der Bereich Selfkant, Gangelt, Waldfeucht bis zum Westen von Übach-Palenberg könnten sich so zum deutschen „Silicon Valley“ entwickeln. Dr. Steiner zu den dann selbst verschuldeten Abgehängten: „ Ich glaube, viele werden einer nicht genutzten Chance irgendwann bitter nachtrauern.“

 

4 thoughts on “Kreis Heinsberg: Die Initialzündung zur Breitbandversorgung kam aus Übach-Palenberg

  1. Mein Ursprüngliches Ziel strebte Frelenberg und Boscheln an. Leider hat es für Frelenberg nicht geklappt. Jedoch bin ich begeistert das ich mit meiner Idee und der CDU Übach-Palenberg so große Auswirkungen erreichen konnte. Es lohnt sich mit einer guten Idee die Politik um Rat zu fragen anstatt immer zu meckern. So erreicht man etwas!

  2. Und Holthausen bleibt, so wie es aussieht, aussen vor.

    1. Leider mussten viele Dörfer auf der Strecke bleiben. Frelenberg, Marienberg, Windhausen und Zweibrüggen haben nicht genug Interessenten zusammen bekommen. Wenn sie an einer Lösung für Holthausen interessiert sind kontaktieren sie mich mal. Ich kann ihnen zeigen welche Möglichkeiten es gibt etwas zu erreichen. Steven@mclarren.de

  3. Wir sind trotz einiger Kinderkrankheiten froh, dass wir in Scherpenseel Glasfaser haben.

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