Kreis Heinsberg. Wenn es in einer Diskussion in Deutschland um Sterbebegleitung geht, ist Unsicherheit an der Tagesordnung. Nicht nur wegen der immer noch bestehenden rechtlichen Grauzonen. Doch die demographische Entwicklung zeigt überdeutlich auf, diesem Thema muss sich die Gesellschaft widmen, denn es drängt sich zunehmend auf. Immer mehr Mitbürger werden immer älter, was auch jede Menge Leid eines deutlich längeren Lebens mit sich bringen kann. Auch wenn es kein sog. populistisches Thema ist, mit dem man schnell Sympathien erringt, stellt sich die CDU des Kreises Heinsberg der Herausforderung, auch so ein „Eisen anzufassen“, denn es geht ihrer Meinung nach um das Grundrecht eines jeden Menschen: „In Würde leben und in Würde sterben“ zu können. 

Mitte November letzten Jahres befasst sich der Deutsche Bundestag erstmals in einer mehrstündigen “Orientierungsdebatte” mit den sensiblen Themen wie Hospiz und Palliativmedizin und auch Sterbehilfe und assistierter Suizid. Fraktionsübergreifende Gruppenanträge, die 2015 zu Gesetzentwürfen ausgearbeitet und zur Parlamentsabstimmung eingereicht werden, haben Abgeordneten des Bundestages erarbeitet. Nun beziehen Wilfried Oellers MdB und Michel Brand MdB Interessierte Bürgerinnen und Bürger in die Diskussion mit ein.

Naturgemäß ist jede Debatte über Sterbehilfe geprägt von Unsicherheiten und Ängsten, wenn die Menschen an ihr Lebensende denken. Primär geht es dann darum, Leiden und Schmerzen zu verhindern oder zu lindern. Das Recht auf ein selbstbestimmtes Ende des eigenen Lebens ist vielen Menschen äußerst wichtig. Aus dem Blickwinkel der Gesellschaft geht es auch um die Frage, wie das Umfeld damit umgeht, wenn Menschen im Alter, bei Krankheit oder Einsamkeit befürchten, anderen zur Last zu fallen. Die Achtung vor dem Leben, auch vor dem leidenden, schwer kranken und behinderten Leben ist von zentraler Bedeutung für unsere Gesellschaft.

Eine solidarische Gesellschaft kann Sterbehilfe nicht einfach ausweiten. Stattdessen ist Aufklärung gefragt, mehr und bessere Hospize, sowie Palliativmedizin.

In Deutschland werden die Begrifflichkeiten oftmals ungenau verwendet und verwechselt. Eine Präzision ist unerlässlich.

  • Passive Sterbehilfe bedeutet in der Konsequenz ein Sterben lassen durch Nichtstun oder Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen. (Laut eines Urteils des Bundesgerichtshofs von 2010 in Deutschland ist passive Sterbehilfe erlaubt, wenn sie dem erklärten oder mutmaßlichen Patientenwillen entspricht.)
  • Indirekte Sterbehilfe ist dann gegeben, wenn ein verfrühter Tod aufgrund einer schmerzlindernden Behandlung im Einverständnis mit dem Betroffenen in Kauf genommen wird. Die indirekte Sterbehilfe ist in Deutschland laut Bundesgerichtshof von 1996 zulässig.
  • Assistierter Suizid, auch als Beihilfe zum Suizid bezeichnet, ist die Unterstützung bei der Selbsttötung, beispielsweise durch das Bereitstellen eines Giftes, das der/die Suizident/-in selbst zu sich nimmt. Suizid ist in Deutschland nicht verboten, dementsprechend kann Beihilfe zum Suizid nicht strafbar sein.
  • Aktive Sterbehilfe ist das Töten eines anderen Menschen auf sein ausdrückliches Verlangen hin beispielsweise mit Hilfe eines tödlichen Giftes. Die aktive Sterbehilfe ist in Deutschland als Tötung auf Verlangen gemäß §216 StGB strafbar und wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren geahndet.

 

Titelfoto: auf dem Podium v.l.n.r.: Dr. A. Smoog, Ulrike Clahsen , Wilfried Oellers MdB und stehend Michael Brand MdB – Foto: Monika Lux

 

 

One thought on “Kreis Heinsberg: In Würde leben, in Würde sterben

  1. In Ergänzung zum Bericht über die Veranstaltung stellt der Bundestagsabgeordnete Michael Brand mir gegenüber per Mail klar: „Das Thema hat ganz sicher viele Facetten. Eines ist mir wichtig, nach der Veranstaltung am Freitag in Geilenkirchen klar zu stellen: Die dort vertretene Position von Herrn Smook, Präsident der Right-to-Die-Societies-Europe, vertritt im Deutschen Bundestag glücklicherweise keine der fraktionsübergreifenden Gruppen. „Töten auf Verlangen“ ist in Deutschland strafbar, kein Parlamentarier im Deutschen Bundestag fordert dies zu ändern, im Gegenteil.“

    Ein Positionspapier zum Thema unter der Übachrift „Begleiten statt Beenden –Schutz der Würde am Ende des Lebens“ von Claudia Lücking-Michel MdB Michael Brand MdB Michael Frieser MdB vom 11. November 2014 kann bei der Redaktion als pdf-Datei angefordert werden

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