Jugendkriminalität jenseits der bekannten Faktenlage feststellen zu wollen, ist schon ein starkes Stück. Damit Ängste zu bedienen, m.E. kaum entschuldbar.

Ein Lehrbeispiel wie Fake News mit einem wahren Kern offenbar bewusst in die Welt gesetzt werden, bietet erneut der Lokalredakteur Jan Mönch. Sein Artikel zur Jugendkriminalität mit Rauschgiftdelikten in Geilenkirchen verbreitet ein diffuses Gefühl der Unsicherheit, weil er wesentliche Fakten der Leserschaft vorenthält.

Der am 11.10.2017 veröffentlichte Artikel „Kriminell, perspektivlos, zwölf Jahre jung“ von Jan Mönch basiert auf Informationen von einer Podiumsdiskussion vom 5.10.2017. Auch der Abteilungsleiter der Kreispolizeibehörde Heinsberg hatte teilgenommen. Dort wurde die Kriminalitätsentwicklung in Geilenkirchen angesprochen. Mönch verbreitet isoliert einen Teil der dort gegebenen Information angsteinflößend, dass sich die Zahl der Betäubungsmitteldelikte in Geilenkirchen von 2015 auf 2016 „nahezu verdoppelt“ habe.

Was Mönch verschweigt, ist, dass es sich bei den angesprochenen Betäubungsmitteldelikten um sog. „Kontrolldelikte“ handelt. Die Polizeihauptkommissarin und Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Heinsberg, Angela Jansen, meint zu den BTM-Delikten aus Geilenkirchen: „Das bedeutet, dass mehr Kontrollen auch eine Aufdeckung des Dunkelfeldes bewirken. Mehr Kontrollen durch die Polizei bedeuten demnach auch höhere Fallzahlen, wie im Vergleich der Jahre 2015 und 2016.“

Hier wäre m.E. ein dickes Lob für die Polizeiarbeit angemessener gewesen, als diffuse Ängste bei der Bevölkerung mit Halbinformationen zu schüren.

Jan Mönch versteigt sich gar in seinem Kommentar „Stimmen aus dem Halbdunkeln“ wiederholt zu einem Kriminalitätsvergleich zwischen Geilenkirchen und Johannesburger Township.  Er folgert daraus, dass sich die deutschen Behörden „in den Amtsstuben mit Statistiken die Augen“ zuhalten.

Auch wenn jeder Einzelfall einer zu viel ist, insbesondere bei Jugendlichen unter 14 Jahren, lohnt es sich m.E. doch mal einen Blick auf das Zahlenwerk selbst zu werfen.

Der Anteil der BTM-Delikte an der Gesamtkriminalität 2016 für den Kreis Heinsberg lag bei 3,62 Prozent. Da laut KHK Angela Jansen in Geilenkirchen etwa 10 Prozent der Menschen vom Kreisgebiet leben „und die Kriminalität dort dazu passend auch in diesem Bereich – natürlich in den Jahren und von Delikt zu Delikt leicht schwankend“ liegt, würde dies für Geilenkichen bezogen auf BTM-Delikte bedeuten: ca. 0,36 Prozent.

Welches genaue Ziel also verfolgt hier Jan Mönch wirklich?

 

NACHTRAG:

Kein halbes Jahr nach dem Fake-Artikel von Jan Mönch zitierte sein Kollege  in der Lokalredaktion Geilenkichen, Udo Stüßer, am 14.03.2018 den Leiter des Geilenkirchener Jugend- und Sozialamtes in der Tagespresse.  Denn Wilfried Schulz hatte im Jugendhilfeausschuss festgestellt, das die Jugendkriminalität „drastisch gesunken“ sei: „Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten gegenüber dem Vorjahr ist um 34 Prozent auf 173 zurückgegangen“.

Wie passt diese aktuelle Meldung zur offensichtlichen Fake-News von Jan Mönch?

 

von Hartmut Urban

One thought on “Mit verkürzten Polizeiinformationen Jugendkriminalität herbeizureden

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