ZEIT FÜR EINEN KOMMENTAR.

NRW. Die Hilfeschreie um den Erhalt der Notfallpraxen landauf, landab sind noch nicht verhallt, die endgültige Entscheidung noch nicht gefällt, da stellt sich doch allmählich die Frage: Worum geht es hier wirklich?

Einmal nüchtern betrachtet ist die Schließungsankündigung der Kassenärztlichen Vereinigung nichts anderes, als die öffentliche Festsetzung eines Warnstreiks einer kleinen Gewerkschaft mit systemrelevanter Bedeutung im Gesamtgefüge und erinnert an Lokführer- oder Pilotenstreiks. Denn hier sind es letztlich die Notärzte, die auf eine Änderung ihre Arbeitsbedingungen und gerechteren Entlohnung drängen.

Ein Gesundheitssystem ohne Notfallpraxen? Undenkbar. Das weiß auch die Kassenärztliche Vereinigung, die im Machtpoker zwischen Pharmaindustrie, Apotheken, niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen, letztlich ein größeres Stück vom Kuchen für ihre Ärzte beansprucht und so eine Schwachstelle in System, ausgemacht hat. Die Notfallpraxen wurden vor wenigen Wochen als „As im Ärmel“ knallend auf den Tisch geworfen und so dem Spiel um die Macht und das Geld möglicherweise eine neue Wende gegeben.

Das perfide an dieser Art „Gesundheits-Poker“ ist, dass die Bevölkerung bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit das Geld auf den Tisch des Hauses „Gesundheitssystem“ legen und die Spieler rund um diesen Tisch, im wesentlichen bestehend aus Pharmaindustrie, Apotheken, niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen um Anteile dieses Batzen Geldes pokern, die Betroffenen und Einzahler nicht einmal am Katzentisch einen Platz angeboten bekommen haben. Da sitzt für sie von Lobbyisten gehätschelt die Gesundheitspolitik.

Da das gesamte System aller beteiligter am Tropf derjenigen Zahlungen hängt, die die Bevölkerung am Ende für die Gesundheit aufzubringen gewillt ist,setzt offenbar die Kassenärztliche Vereinigung auf die systemerhaltenden Kräfte, die am Ende eher bereits sein werden, ein Stück mehr vom Verteilungskuchen abzugeben, als die Kuh, die gemolken wird zum Schlachthof zu führen. Doch genau diesen Weg hat die Kassenärztliche Vereinigung auf dem Rücken der Kranken, Gebrechlichen und Schwachen eingeschlagen, wohl wissend, dass die den Betroffenen eingebrockte Suppe am Ende doch nicht so heiß gegessen wird, wie sie gekocht wurde.

 

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