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Stadtanzeiger Aachen: Nachrichten aus der Stadt – news: #genial-nah

Aachen. Papst Franziskus wird im kommenden Jahr mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet. Das haben der Vorsitzende des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen, Dr. Jürgen Linden, und der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp am Mittwoch (23.12.) im Rathaus der Stadt bekanntgegeben.

Die Preisverleihung an Papst Franziskus wird zu einem noch näher zu bestimmenden Zeitpunkt im kommenden Jahr in Rom stattfinden.

Linden und Philipp, die gemeinsam mit dem Aachener Dompropst Manfred von Holtum die Neuigkeit überbrachten, stellten heraus, dass die Europäische Union in den zurückliegenden Jahren deutliche Schwächen, Krisen und Rückschläge erlebt habe, die heute viele Errungenschaften des Integrationsprozesses in den Hintergrund drängten – „und die vor allem eines zur Folge haben: einen dramatischen Vertrauensverlust“. Papst Franziskus setze dem eine Botschaft der Hoffnung entgegen, hieß es in Aachen.

„Zeichen der Hoffnung für Europa“

In der Begründung der Preisverleihung heißt es: „In dieser Zeit, in der viele Bürgerinnen und Bürger in Europa Orientierung suchen, sendet Papst Franziskus eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung aus, eine Botschaft der ,Hoffnung, die auf der Zuversicht beruht, dass die Schwierigkeiten zu machtvollen Förderern der Einheit werden können, um alle Ängste zu überwinden, die Europa – gemeinsam mit der ganzen Welt – durchlebt‘ und eine ,Ermutigung, zur festen Überzeugung der Gründungsväter der Europäischen Union zurückzukehren, die sich eine Zukunft wünschten, die auf der Fähigkeit basiert, gemeinsam zu arbeiten, um die Teilungen zu überwinden und den Frieden und die Gemeinschaft unter allen Völkern des Kontinentes zu fördern. Im Mittelpunkt dieses ehrgeizigen politischen Planes stand das Vertrauen auf den Menschen, und zwar weniger als Bürger und auch nicht als wirtschaftliches Subjekt, sondern auf den Menschen als eine mit transzendenter Würde begabte Person.“

Das Direktorium würdigt Papst Franziskus wegen seiner  herausragenden Botschaften und Zeichen, die sein Pontifikat für Frieden und Verständigung, für Barmherzigkeit, Toleranz, Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung setzt.

Denkwürdige Rede des Papstes vor dem Europäischen Parlament

Ein weiteres Zitat des Papstes aus seiner Rede vor dem Europäischen Parlament im November 2014 findet in der Begründung gesonderte Erwähnung: „Die Stunde ist gekommen, gemeinsam das Europa aufzubauen, das sich nicht um die Wirtschaft dreht, sondern um die Heiligkeit der menschlichen Person, der unveräußerlichen Werte; das Europa, das mutig seine Vergangenheit umfasst und vertrauensvoll in die Zukunft blickt, um in Fülle und voll Hoffnung seine Gegenwart zu leben. Es ist der Moment gekommen, den Gedanken eines verängstigten und in sich selbst verkrümmten Europas fallen zu lassen, um ein Europa zu erwecken und zu fördern, das ein Protagonist ist und Träger von Wissenschaft, Kunst, Musik, menschlichen Werten und auch Träger des Glaubens ist. Das Europa […], das auf den Menschen schaut, ihn verteidigt und schützt; das Europa, das auf sicherem, festem Boden voranschreitet, ein kostbarer Bezugspunkt für die gesamte Menschheit!“

Als Papst Franziskus mit diesen Worten seine historische Rede vor dem Europäischen Parlament schloss, hatte er zuvor sehr eindringlich an die Abgeordneten appelliert, die Würde des Menschen und die Ideale der Gründerväter Europas in den Mittelpunkt ihres Handelns zu rücken und als Gesetzgeber ihren Beitrag zu leisten, dass das große Potenzial der europäischen Idee, um das weite Teile der Welt die EU beneiden, nicht verspielt wird.

Der Papst gibt Orientierung

Direktoriumsvorsitzender Dr. Jürgen Linden sagte: „In einer Zeit, in der die Europäische Union vor der bislang größten Herausforderung des 21. Jahrhunderts steht, ist es der Papst ,vom anderen Ende der Welt‘, der Millionen Europäern Orientierung dafür gibt, was die Europäische Union im Innersten zusammenhält: das für uns gültige Wertesystem, die Achtung vor Menschenwürde und Freiheitsrechten, vor der Einzigartigkeit des Menschen, ganz gleich welcher ethnischen, religiösen oder kulturellen Herkunft er ist, und die Achtung vor unseren natürlichen Lebensgrundlagen.“

„Eine Stimme des Gewissens“

Aachens Oberbürgermeister nannte mit Blick auf die Begründung des Direktoriums den Papst „eine Stimme des Gewissens, die uns mahnt, bei all unserem Tun den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, und eine herausragende moralische Autorität, die uns als Mahner und Mittler zugleich daran erinnert, dass Europa den Auftrag und die Verpflichtung hat, aufbauend auf den Idealen seiner Gründerväter Frieden und Freiheit, Recht und Demokratie, Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung zu verwirklichen.“

Das Direktorium stellt in seiner Begründung auch heraus, dass es „nicht nur die Flüchtlingskrise ist, die Europa, wie Papst Franziskus kritisch konstatiert, einen Eindruck der Müdigkeit, der Alterung und der mangelnden Fruchtbarkeit vermitteln lässt. Auch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die in Teilen der Union unverändert hohe Arbeitslosigkeit und die zunehmende Entfremdung zwischen den Bürgerinnen und Bürgern einerseits und den europäischen Institutionen auf der anderen Seite, lassen den Papst Europa fragen: ,Wo ist deine Kraft? Wo ist jenes geistige Streben, das deine Geschichte belebt hat und durch das sie Bedeutung erlangte? Wo ist dein Geist wissbegieriger Unternehmungslust? Wo ist dein Durst nach Wahrheit, den du der Welt bisher mit Leidenschaft vermittelt hast? Von der Antwort auf diese Fragen wird die Zukunft des Kontinents abhängen.‘

Der Heilige Vater gebe selbst Antworten, beschwöre die Prinzipien der Solidarität und der Subsidiarität, die Einheit in der Verschiedenheit statt gedanklicher und kultureller Uniformität, bekräftige den humanistischen Geist und die Zentralität des Menschen und rufe Europa auch dazu auf, sich die eigenen religiösen Wurzeln zunutze zu machen, heißt es.

Information Karlspreis:

Papst Franziskus wird der 58. Träger des Internationalen Karlspreises zu Aachen. In diesem Jahr wurde der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, mit dem Preis ausgezeichnet.

Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise. Er wird seit 1950 an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Zu den früheren Preisträgern gehörten unter anderem Konrad Adenauer (1954), die Europäische Kommission (1969), der spanische König Juan Carlos I. (1982), Francois Mitterand und Helmut Kohl (1988), Václav Havel (1991), Königin Beatrix der Niederlande (1996), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), der Spanier Javier Solana (2007), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008) und Jean-Claude Trichet (2011). Im März 2004 erhielt Papst Johannes Paul II. einen außerordentlichen Karlspreis, der in Rom verliehen wurde.

Verliehen wird neben einer Urkunde auch eine Medaille, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für den jeweiligen Preisträger zeigt.

 

Titelbild: Pressekonferenz zur Bekanntgabe
des Karlspreisträgers 2016 im Rathaus zu Aachen

Foto: Stadt Aachen

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