Übach-Palenberg. Eine Stadt, die nicht nur für viele Gäste beneidenswert im Grünen liegt, wo diese erklärtermaßen gerne einmal Urlaub machen würden, sondern die es sich trotz leerer Kassen leistet, zusätzlich innerhalb Stadtgrün den Bürgerinnen und Bürgern zu gönnen, muss das zusätzliche Stadtrün auch pflegen.

Stadtgrün muss gepflegt werden

Pflege des innerstädtischen Grünbereichs kostet Geld, dass die Bürgerinnen und Bürger über die Stadtkasse aufzubringen haben.  Hier die AWO beim Grünschnitt und der Pflege. – Foto: Hartmut Urban

 

Grün, grüner, am grünsten. Die Begehrlichkeiten mancher Bürgerinnen und Bürger sind – wenn man sie ließe – am Ende oft nicht wirklich endend wollend, wenn es darum geht, noch mehr Stadtgrün anzulegen. „Ein Baum vor dem eigenen Haus und ein Wald mit Bach und idyllischem See direkt hinter dem eigenen Gartenzaun“, das wäre für den einen oder anderen das Ideal, das die Stadt zu schaffen habe. Kuckuck, Nachtigall und Rehe dürfen natürlich nicht fehlen, doch der Supermarkt eine Ecke weiter sie wie Schule, Kindergarten und Arbeitsplatz ebenso wenig. Ansprüche an die Stadt, die keiner wirklich erfüllen kann. Und doch wird gefordert: „Die Stadt könnte doch mal …. dies und jenes!“

Neben den Kosten der Erstpflanzung von Bäumen, Hecken und Grünflächen fallen jährlich Folgekosten für Pflege und Hege an, die viel höher ins Kantor schlagen, als Manch einem offenbar wirklich klar ist. Sonst würden derartige Vorgedrungen kaum gestellt. Es macht allein schon spürbar für jeden Privathaushalt was aus, ob beispielsweise zweimal oder dreimal im Jahr ein Rückschnitt erfolgt. Denn die Stadt sind wir alle zusammen und das Geld müssen die Steuer- und Gebührenzahler der Stadt selbst aufbringen, das ausgegeben werden soll.

Stadtgrün erfreut die Menschen

So schön Stadtgrün auch sein mag, so teuer ist es auch, dies zu pflegen. – Foto:Hartmut Urban

 

Es bedarf oft nur weniger Schritte aus dem Haus, um die Farbenpracht wie das Stadtgrün zu genießen. Doch wer den Anspruch zu Lasten der Allgemeinheit erhebt, genau vor den  Fenstern der eigenen Wohnung müsse es sprießen, blühen und gedeihen, der scheint etwas falsch verstanden zu haben. Diese Form von Idylle mag es auf entlegenen Höfen inmitten der unberührten Natur geben, irgendwo in Canada in the middle of nowhere vielleicht.

Stadtgrün rund um das Schloss Zweibrüggen

Vom Hof des Schlosses Zweibrüggen aus kann man beispielsweise jede Menge Stadtgrün genießen. – Foto: Hartmut Urban

 

Schon Kurt Tucholsky schaute den Deutschen tief in die Seele und schrieb bereits 1927 treffend das Gedicht:

DAS IDEAL

Ja, das möchste:
Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.

Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:

Neun Zimmer – nein, doch lieber zehn!
Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,
Radio, Zentralheizung, Vakuum,
eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm,
eine süße Frau voller Rasse und Verve –
(und eine fürs Wochenend, zur Reserve) –
eine Bibliothek und drumherum
Einsamkeit und Hummelgesumm.

Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste,
acht Autos, Motorrad – alles lenkste
natürlich selber – das wär ja gelacht!
Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.

Ja, und das hab ich ganz vergessen:
Prima Küche – erstes Essen –
alte Weine aus schönem Pokal –
und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal.
Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion.
Und noch ne Million und noch ne Million.
Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit.
Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.

Ja, das möchste!

Aber, wie das so ist hienieden:
manchmal scheints so, als sei es beschieden
nur pöapö, das irdische Glück.
Immer fehlt dir irgendein Stück.
Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;
hast du die Frau, dann fehln dir Moneten –
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.

Etwas ist immer.
Tröste dich.

Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Daß einer alles hat:
das ist selten.

Stadtgrün und kunterbunt

Übach-Palenberg ist eine schöne bunte Stadt, wenn man das Auge dafür hat. – Foto: Hartmut Urban

 

Titelbild: AWO-Mitarbeiter pflegen
– aus dem Stadtsäckel bezahlt –
die grüne Stadt Übach-Palenberg.

Foto: Hartmut Urban

 

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