Stieglitz ist ist Vogel des Jahres 2016 - genial-nah

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Rhein-Sieg-Kreis. Der bunt-gefiederte Stieglitz, (Carduelis carduelis), auch Distelfink genannt, ist Vogel des Jahres 2016, klein, fein, fröhlich: der Gesang des Stieglitz erfreut im Frühjahr.

Jetzt, während des Frühjahrs und auch noch im Frühsommer, ertönt sein Gesang in Wiesen und Gärten. Nur zur Brutzeit ist der eher leise, feinstimmige, fröhliche wirkende Gesang des Stieglitz, meist von Baumwipfeln, zu hören. Dann wechseln schnelle Triller mit zwitschernden Tönen ab, manchmal kommen auch miauende Laute vor. Dazwischen eingewobenen sind die „tickelitt“-Rufe und die „telitt-telitt-telitt“ – Reihen. In der Regel singen die Stieglitze bei schönem Wetter, wenn sich Licht und Schatten abwechseln. Mit dem Gesang markieren die männlichen Stieglitze „ihr“ Revier. Auch wollen sie damit das Weibchen beeindrucken und mit ihm in Kontakt bleiben. Die weiblichen Stieglitze singen leiser, doch kennzeichnen wahrscheinlich auch damit „ihr“ Revier und begeben sich in die Partner(aus-)wahl.

Außerhalb der Brutzeit sind lediglich die „tickelitt“-Rufe zu hören. Ganzjährig sind die kleinen bunten Vögel fast immer in Gruppen unterwegs, wo sie sich über Rufe, sogenannte Stimmfühlungslaute, untereinander verständigen.

Bevorzugter Nistplatz der Stieglitze sind Baumkronen. Manchmal finden sich Nester von mehreren Stieglitz-Eltern in einem Baum. Ab Mitte April fängt das Weibchen mit dem Nestbau an. Rund fünf weiße, leicht rotbraun gesprenkelte Eier legt es. Die Brutzeit beträgt nach Ablage des dritten Eis 12 bis 14 Tage. Währenddessen versorgt das Männchen seine Partnerin. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, bleiben sie etwa zwei Wochen im Nest. Nachdem sie ihr „kuscheliges Heim“ verlassen haben, bleiben die Jungvögel aber noch im Geäst sitzen. Dort versorgen die Eltern sie weiter, bis die Jungvögel im Alter von drei Wochen allein Nahrung aufnehmen können und mit vier Wochen selbstständig sind. Das Stieglitzweibchen beginnt noch während der Jungenaufzucht mit dem Bau eines neuen Nestes für die zweite Jahresbrut.

Wie alle Finken aus der Gattung Carduelis haben auch Stieglitze eine schlanke Gestalt mit einem vergleichsweise kurzen Hals und dünnen Beinen. Sie erreichen eine Körperlänge von 12 bis 13 Zentimetern und ein Gewicht zwischen 14 und 19 Gramm. Sie sind etwas kleiner als Spatzen. Mit ihrem farbenfrohen Gefieder gehören sie mit zu den buntesten Singvögeln. Unverwechselbar leuchtet die rote Gesichtsmaske auf dem weiß und schwarz gefärbten Kopf. Rücken und Brust sind hellbraun, der Bauch weiß gefärbt. Die schwarzen Flügel sind leuchtend gelb abgesetzt. Der schwarz gefärbte Schwanz schimmert an den äußeren zwei bis drei Steuerfedern weiß. Wie bei Körnerfressern üblich ist der Schnabel kegelförmig, läuft spitz zu und ist elfenbeinfarben bis grau rosa. Männchen und Weibchen sind beide bunt gefiedert. Sie unterscheiden sich lediglich an der roten Gesichtsmaske: die des Weibchens ist kleiner und reicht nicht, wie beim Männchen, bis an den hinteren Augenrand.

Bevorzugte Nahrung des geselligen Stieglitzes sind halbreife oder reife Samen von Stauden, Gräsern und Bäumen. Auch stehen verschiedene Distelarten auf dem Speiseplan des „Distelfinks“. Selten fressen sie tierische Nahrung, wie beispielsweise Blattläuse.

Im Rhein-Sieg-Kreis findet sich der Stieglitz in der offenen Landschaft, die mit krautigen Flächen, Büschen und Bäumen vielfältig gestaltet ist, also in Gärten, Parks, Friedhöfen, Villenvierteln, Dorfrändern, Ödland und Streuobstwiesen. Geschlossene Wälder, ausgeräumte Ackerflächen und Höhen über 250 Meter meidet er dagegen. Relativ hohe Brutzahlen erreicht er daher in Rheinbach, Meckenheim, Bornheim, Königswinter und Hennef.

Jetzt im Frühjahr bieten sich windstille Morgen bei eher milden Temperaturen kurz nach Sonnenaufgang an, den Stieglitz zu hören oder gar zu sehen. Mischwälder, Parks, Streuobstwiesen, Kleingartenanlagen oder naturnahe Gärten mit wilden Ecken sind ideal. Ein bunter Garten, der verschiedenen Gräsern, Kräutern, Pflanzen und Bäumen Lebensraum bietet, ist der richtige „Wohlfühlort“ für den Stieglitz. Dann kann er auch mitten in der Stadt mit seinem Gesang zur Frühlingszeit erfreuen.
(hei)

Titelbild: Stieglitz

Foto: NABU/Frank Derer 

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