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Mönchengladbach. Bilder, die im Verborgen bleiben: Thirty Boys Papers. Auf scharfsinnige Weise antwortet der Künstler Martin Lersch auf die strengen Urheberrechte im Umgang mit dem Werk von Joseph Beuys: Ausstellung im städtischen Kulturraum EA71, Eickener Straße 71; Eröffnung am Samstag, 20. Februar.

Die Problematik um die Urheberrechte im Werk von Joseph Beuys ist hinlänglich bekannt. Äußerst restriktiv handhabt die Erbengemeinschaft, die den Künstler seit seinem Tod vor genau 30 Jahren vertritt, den Umgang mit seinen Kunstwerken und Ablichtungen derselben. Das bekam auch der Mönchengladbacher c/o-Künstler Martin Lersch zu spüren, der zeichnerisch immer wieder in eine ebenso reizvolle wie überzeugende künstlerische Kommunikation mit Werken anderer Epochen und anderer Künstler tritt. Zum 30. Todestag von Joseph Beuys wählte Lersch ihn in seiner „Hommage an den großen Künstler“ zu seinem „Partner in Art“, machte allerdings die „Rechnung“ ohne die Erbengemeinschaft, die eine Präsentation der Zeichnungen von Martin Lersch schlichtweg als Verletzung der Beuys’schen Urheberrechte wertete. „Die Rechteinhaber der Urheberrechte von Joseph Beuys erteilen grundsätzlich keine Einwilligung zur Veröffentlichung oder Verwertung von Bildbearbeitungen seiner Werke“, heißt es in einem Schreiben an Martin Lersch.

Martin Lersch wäre nicht Martin Lersch, hätte er nicht auch für diese Sachlage eine „Eulenspiegelei“ der besonderen Art parat. Kurzerhand modelte er den Charakter seiner Ausstellung um, die am kommenden Samstag, 20. Februar, ab 19 Uhr im Projektraum des städtischen Kulturbüros in der Eickener Straße 71 eröffnet wird. Unter dem Sprachspiel Thirty Boys Papers präsentiert er seine 30 Zeichnungen, die in der Auseinandersetzung mit dem Beuys’schen Werk entstanden sind. Um allerdings juristischen Fallstricken zu entgehen, verhängt er die Zeichnungen mit weißen Blättern, auf denen hinter- und scharfsinnige Aussagen stehen wie „Ungesehene Bilder erwecken Neugierde in uns“ oder „Die Gedanken sind frei – heit für Josef und Ewa“. Martin Lersch, der damit eine Art Selbstzensur ausübt, verursacht zugleich eine gezielte Provokation: „In der Ausstellung zeige ich unsichtbare, weil verhängte Bilder, welche die Frage nach der künstlerischen Freiheit und den Umgang mit der Kunst in den Raum stellen. Indem wir etwas nicht sehen, wird uns bewusst, was wir verlieren können“, erläutert Martin Lersch, der sein Ausstellungsvorhaben zuvor anderen Museen am Niederrhein präsentierte. Aus Angst vor Restriktionen seitens der Erbengemeinschaft von Beuys lehnten die Häuser reihenweise ab. „Sie hatten schlichtweg Angst, meine Ausstellung zu zeigen und in Konflikt mit der Erbengemeinschaft und der für die Bildrechte zuständigen Verwertungsgesellschaft Bild (VG Bild) zu geraten“.

Anders Dr. Thomas Hoeps, Leiter des städtischen Kulturbüros, der sofort zusagte und die Ausstellung ermöglichte. „Und dies gerade, weil Joseph Beuys sich um die Freiheit der Kunst bemüht hatte und sie allen zugänglich machen wollte. Aber auch vor dem Hintergrund, dass Joseph Beuys in Mönchengladbach im alten Museum an der Bismarckstraße seine erste umfassende Museumsausstellung hatte und das Museum Abteiberg heute noch Werke von ihm besitzt“, betont er.

Auf subtile Weise stellt Martin Lersch also den Kunstbetrieb an den Pranger und damit gleichzeitig die Frage, ob Kunst für alle da ist. „Jeder Mensch ist ein Künstler“, so postulierte Joseph Beuys eine seiner zentralen Botschaften, und genau diese Botschaft greift Martin Lersch jetzt in der Ausstellung auf. An fünf Tagen lädt er die geneigten Besucher ein, im Projektraum EA 71 und in Anwesenheit des Künstlers selbst künstlerisch tätig zu werden und eigene Zeichnungen anzufertigen. Diese werden dann auch umgehend an den noch leeren Wänden ausgestellt. So haben sich bereits Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftshauptschule Heinrich Lersch angemeldet. „Ich würde mir wünschen, dass sich die Teilnehmer gegenseitig zeichnen in ihrer Haltung, besser noch in ihrer Geisteshaltung“, schmunzelt Martin Lersch. Die Ausstellung Thirty Boys Papers ist geöffnet am 21., 22., 26., 27. und 28. Februar jeweils von 12 bis 16 Uhr. Dann können sich die Besucher auch gleichzeitig in den angebotenen Workshops künstlerisch betätigen. (pmg/sp)

Titelbild:  Thirty Boys Papers als bewusste
Provokation – ein künstlerisches
Stilmittel, das Tradition hat.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts:
Der Künstler Martin Lersch hat in einer
Ausstellung im Projektraum EA 71
eine zeichnerische Hommage an
Joseph Beuys geschaffen –
und diese gleich wieder mit Blick
auf die restriktiven Urheberrechte im Umgang
mit dem Beuys’schen Werk verhängt.
Eine skurrile und nachdenklich
stimmende Ausstellung.

Foto: Stadt Mönchengladbach – Quelle

siehe auch zu MÖNCHENGLADBACH

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