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Stadtanzeiger Aachen: Nachrichten aus der Stadt – news: #genial-nah

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Stadtanzeiger Maastricht: Nachrichten aus der gemeete – news: #genial-nah

Aachen / StädteRegion Aachen / Maastricht.

 

·       Aachens Oberbürgermeister  fordert im Einklang mit Politik und Bevölkerung die Verantwortlichen in Belgien auf: „Nehmen Sie diesen Reaktor vom Netz!“

·       Über 600 Bürger verfolgen Informationsveranstaltung in der Aula Carolina. Viel Beifall für Vorstoß der Städteregion, gemeinsam mit Aachen und weiteren Kommunen nun gegen Tihange zu klagen.

·       Aktionsbündnis bezieht Stellung, Solidaritätsbekundung aus Maastricht, zahlreiche Bürgerfragen und die Hoffnung, dass der nun in Aachen aufgebaute Druck Wirkung zeigt.

Mit Blick auf die deutlich spürbaren Sorgen in der Bevölkerung, die in diesen Wochen in Aachen durch das als unsicher geltende belgische Atomkraftwerk Tihange ausgelöst werden, hat Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp am 28.1.zu einer Informationsveranstaltung „Tihange und die Folgen“ in die Aula Carolina eingeladen. Über 600 Bürgerinnen und Bürger kamen, erfuhren viele Fakten und klare, bisweilen auch kontroverse Standpunkte, sie gingen jedoch alle mit der Gewissheit nach Hause, dass in Aachen Konsens herrscht: Der Reaktor Tihange 2 muss vom Netz!

 

Großes überregionales Medienecho

Philipp brachte es am Ende einer Veranstaltung, die auch von zahlreichen TV-Teams und Journalisten überregionaler und euregionaler Medien wahrgenommen wurde, auf den Punkt: „Wir müssen dieses Signal des gemeinsamen Protestes klar artikulieren. Wir spüren, dass der Druck wächst, und wir hoffen, dass sich politisch jetzt so viel auf Landes-, Bundes- und Europaebene bewegt, dass am Ende Tihange 2 gestoppt wird.“

Am Donnerstagnachmittag hatte Städteregionsrat Helmut Etschenberg bei einer Pressekonferenz erläutert, dass die Städteregion mit ihren Städten und mit der Stadt Aachen, unterstützt auch von Maastricht, den südlimburgischen Gemeinden sowie den deutschen Nachbarkreisen in NRW und Rheinland-Pfalz, nach einer juristischen Vorprüfung nun auf zwei Wegen gegen Tihange klagen wird. Diese Botschaft wurde auch bei der Bürgerversammlung am Abend, bei der neben dem Oberbürgermeister und dem Städteregionsrat auch die Maastrichter Bürgermeisterin Annemarie Penn-te Strake auftrat, mit großem Applaus aufgenommen. Etschenberg sagte pointiert zu der These, dass es für deutsche oder europäische Institutionen angeblich zu schwer sei, gegen Tihange zu klagen: „Es geht, man muss sich nur anstrengen!“

 

Zwei Resolutionen des Aachener Stadtrates

Marcel Philipp erinnerte in seinem Beitrag an die Resolutionen des Aachener Stadtrates aus den Jahren 2013 und 2015, in denen gegen die Wiederinbetriebnahme von Tihange 2, dem von tausenden Rissen durchzogenen Reaktorblock, protestiert wurde. Er würdigte auch die Arbeit des „Aachener Aktionsbündnisses gegen Atomenergie“ und dessen wesentlichen Anteil an der lebhaften Diskussion in Aachen und der Region – und inzwischen weit darüber hinaus.

In der vom WDR-Wissenschaftsjournalisten Jürgen Döschner moderierten Veranstaltung stellte Jörg Schellenberg als Sprecher des Aktionsbündnisses ebenso unmissverständlich klar: „Normal ist an Tihange gar nichts. Dieses Atomkraftwerk ist überaltert, marode, schlecht gewartet, und es bedroht unser aller Leben.“ Seine Haltung: „Wir können viel über Katastrophenschutz reden, der wirksamste Schutz ist die sofortige Abschaltung!“

 

Feuerwehrchef erläutert den Katastrophenschutz

Jürgen Wolff, Leiter der Aachener Feuerwehr und mit seinem Kollegen Rolf Erich Rehm, Vorsitzender des Fachausschuss Zivil- und Katastrophenschutz des Verbandes der Feuerwehren NRW, für Fragen des Katastrophenschutzes auf dem Podium, machte klar: „Es gibt viele Katastrophenszenarien, auf die wir eingestellt sind und die für uns beherrschbar sind. Bei einem Super-GAU wird ein Schutz der Bevölkerung jedoch nicht mehr zu gewährleisten sein.“ Oberbürgermeister Philipp hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Risiken eines großen Unfalls nicht nur hypothetisch vorhanden sind, sondern dass solch große Unfälle sich auch tatsächlich ereignen können.

Wolff und Rehm erläuterten den vorhandenen Katastrophenschutz für beherrschbare Szenarien. Was in der Krisenstabsübung der Stadt Aachen vom 8. Dezember bereits getestet worden war, stellte Wolff vor – von der Warnung über Sirenen und Presseinformation bis hin zu Möglichkeiten der Evakuierung. Er hinterlegte seine Ausführungen mit dem Überblick über die städtische Katastrophenschutz-Ausstattung, Rehm ergänzte die unterstützenden Einheiten, die über die Hilfe des Landes in einem Ernstfall beigesteuert würden.

 

Verteilung der Jodtabletten

Die auch später von Bürgern gestellte Frage, wie es um die Verteilung der Jodtabletten bestellt ist, konnte Philipp mit Hinweis auf aktuell laufende Gespräche mit dem Land beantworten: „Zurzeit haben wir noch nicht genügend Tabletten vorrätig, darüber sprechen wir aber intensiv mit Land und Bund. Wenn diese Forderung dann umgesetzt  ist, werden wir unverzüglich die dezentrale Verteilung in Aachen angehen, so dass die Bürgerinnen und Bürger in einem Ernstfall sehr schnell an die Tabletten kommen würden.“

Von Expertenseite vermittelte Prof. Dr. Hans-Josef Allelein, Lehrstuhlinhaber für Reaktorsicherheit und -technik an der RWTH Aachen, grundlegendes Basiswissen zur  Atomenergie, zur Funktionsweise eines AKW und zu Gründen und Ausmaßen einer Havarie. Der objektiven Schilderung ließ er eine Einschätzung der Lage in Tihange und auch im belgischen AKW Doel folgen, die er als seine subjektive Beurteilung ankündigte. Seine Haltung: Überprüfung aller Anlagen sofort! Hoher Kontrolldruck ist nötig! Aber eine Gefahr, die von Tihange ausgehen würde und den Bürgerinnen und Bürgern unserer Region Angst machen sollte, erkennt er nicht.

 

„Schon jetzt über Schutzmöglichkeiten nachdenken“

Das schätzte der Vertreter der Aachener Gruppe der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung“, Dr. Wilfried Duisberg, völlig anders ein. Er gab zahlreiche medizinische Informationen und Verhaltenshinweise und kam zu dem Schluss:  „Radioaktivität aus Tihange wird unser Leben massiv beeinflussen und unsere Gesundheit bedrohen. Aber wir können durch kluges Verhalten die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von Schädigungen deutlich reduzieren.“ Sein Appell: „Haben wir den Mut dazu, schon jetzt über Schutzmöglichkeiten nachzudenken und uns vorzubereiten, bis die aktuellen Hauptgefahrenherde, die AKWs in Tihange und Doel abgeschaltet sind.“

In der abschließenden Bürgerfragerunde zeigte sich, wie groß das Informationsbedürfnis ist und welche Sorgen die aktuelle Lage auslöst.

INFO: Die Vorträge von Professor Dr. Hans-Josef Allelein, Jörg Schellenberg, Feuerwehrchef Jürgen Wolff und Dr. Wilfried Duisberg sind auf www.aachen.de eingestellt. Ebenfalls die Pressemitteilung der Städteregion Aachen zu den Klagen.

 

Foto: Die Vortragenden des Informationsabends
in der Aula Carolina zu „Tihange und die Folgen“.
(v.l.n.r.): Oberbürgermeister Marcel Philipp,
Städteregionsrat Helmut Etschenberg,
die Maastrichter Bürgermeisterin Annemarie Penn-te Strake,
Moderator Jürgen Döschner, Aktionsbündnis-Sprecher
Jörg Schellenberg, Prof. Dr. Hans-Josef Allelein,
Dr. Wilfried Duisberg und Feuerwehr-Chef Jürgen Wolff.

Foto: Stadt Aachen/Andreas Schmitter

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