Stadtanzeiger ‚genial-nah’: Nachrichten aus dem Internet – news: genial-nah

www. Jede unbedachte Äußerung, seit unsere Vorfahren sprechen gelernt haben, kann zu Problemen führen.

Doch erst in allerjüngster Zeit – verglichen mit der Menschheitsgeschichte – sind zwei wesentliche Faktoren hinzugekommen. Daher ist eine unbedachte Äußerung heute in einem anderen Licht zu sehen. Diese beiden Faktoren bescheren allen eine völlig neue Qualität. Es sind die unkontrollierbare Verbreitungsmöglichkeit weltweit, wie die dezentrale Speicherung, die eine Kontrolle einer kompletten Löschung einer unbedachten Äußerung nach Veröffentlichung letztlich unmöglich macht.

Gerade junge Menschen gehen mit den neuen Technologien scheinbar sehr viel leichter um, als die heute älteren Jahrgänge. Die Unbeschwertheit bietet jede Menge Chancen, birgt aber auch Risiken in sich.

Auch ein fragwürdiges Bild im Netz kann eine unbedachte Äußerung sein

Wer heute eine Partyszene online stellt, verpasst sich wie allen anderen auf dem Foto quasi ein imaginäres Tattoo, das unter Umständen ein Leben lang nicht mehr zu beseitigen sein wird und einem immer dann verfolgt, wenn man es gerade am wenigsten brauchen kann. Vielleicht wird ja später der Satz zum Hit: „Ich war jung und brauchte die Aufmerksamkeit!“

Eine unbedachte Äußerung löst keine Konflikte, schon gar nicht im Netz

Wenn es zu Problemen im sozialen, beruflichen oder politischen Umfeld kommt, sind Unbedachte Äußerungen im Netz zwar Ausdruck eigener Hilflosigkeit, schädigen aber oft langfristig beide Seiten, Opfer wie Täter.

Jüngst hatte ein Porsche-Lehrling einen üblen fremdenfeindlichen Kommentar auf Facebook gepostet – und verlor prompt seinen Ausbildungsplatz. Er hätte es wissen müssen. Er wird seinen persönlichen Eintrag, der auf eine rechte Gesinnung Hinweise gibt, wohl so schnell nicht mehr los, auch wenn er sich kurz nach dem Eintrag öffentlich für seine unbedachte Äußerung entschuldigte hatte. Auch seine Eltern distanzierten sich von dem Eintrag des Sohnes und baten ebenfalls öffentlich um Entschuldigung, was dem jungen Mann nach wirklicher innerlicher Einsicht eine zweite Chance eröffnen sollte.

Politisch motivierte Einträge im Netz sind nur sehr selten wirklich eine unbedachte Äußerung

Nicht selten ist am linken politischen Rand zu beobachten, dass eloquente Redner, die eine andere politische Auffassung vertreten, genau von denen gern mit Joseph Goebbels verglichen werden, die nicht stark genug sind, in einem politischen Diskurs zu bestehen. Goebbels hat offenbar noch immer Konjunktur und erlebt als Instrument, Andersdenkende gezielt zu demütigen und zu diffamieren eine Art ‚Wiederauferstehung‘. Hier handelt es sich gewiss nicht um eine unbedachte Äußerung; im Gegenteil! Das Instrument wird mit Bedacht eingesetzt und genießt trotz offenkundiger Absicht häufig genug die angestrebten Wirkung.

Ähnlich verhält es sich bei Journalisten. Diese werden, wenn sie unbequem sind, allzu gerne beinahe inflationär mit dem Vorwurf ‚Bildzeitungsstil’ konfrontiert, wohl in der Hoffnung, auf diese Weise an der Glaubwürdigkeit ein wenig rütteln zu können.

Die  ‚Nazi-Keule’ als mit Kalkül gewähltes Instrument, politisch Andersdenkende öffentlich zu diffamieren

Doch im Dilemma, auf der einen Seite die freien Meinungsäußerung für die eigene Agitation zu nutzen, auf der anderen Seite aber ‚ausgemachten politischen Gegnern’ die Pressefreiheit nicht zugestehen zu wollen, braucht eine Erklärung. Da hilft ein öffentlich hingeworfener Neonazi-Verdacht, um den ‚Schreiberling‘ ins gesellschaftliche Abseits zu befördern!.

A priori wird der politische Gegner als Pressevertreter kurzerhand in die Naziecke gebeamt und schon kann für solche ‚Kreaturen‘ das Grundgesetz nicht mehr Anwendung finden. So einfach geht das, um mit der ‚Nazi-Keule’ politisch Andersdenkenden öffentlich kalt zu stellen.

Ist also demjenigen, der seine Feder fachlich-sachlich zu führen versteht, inhaltlich argumentativ nicht beizukommen, werden dann schon mal bedachten Äußerungen als Geschütze aufgefahren, wie beispielsweise: „Der neue Julius Streicher“.

Bedachte Äußerung, die verletzen (sollen), haben häufig eine andere Qualität

Entschuldigungen sind erfahrungsgemäß hier nicht zu erwarten, was aber auch den Schluss zulässt, dass für eine solche bedachte Äußerung ohne Reue eine zweite Chance sich wohl erübrigen dürfte. Wer nämlich heute noch mit Bedacht Äußerungen gegen Ausländer, Behinderte oder Flüchtlinge in Verbindung mit Nazi-Parolen verbreitet oder auf der anderen Seite unberechtigt die ‚Nazi-Keule’ gegen engagierte Demokraten schwingt, wird wohl kaum selbst eine zweite Chance für sich ernsthaft in Erwägung ziehen.

Eine zweite Chance verdient?

Die Eltern haben ihrem Sohn zur Seite gestanden, wie es sich für fürsorgliche Eltern gehört, den Fehler des minderjährigen Sohnes nicht klein geredet, sondern sich von der unbedachten Äußerung selbst klar distanziert und sich dafür entschuldigt.

Der junge Mann selbst, dem es sicherlich nicht leicht gefallen sein dürfte, öffentlich seine unbedachte Äußerung mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückzunehmen und um Entschuldigung zu bitten, hat getan, was er in einer solchen Situation überhaupt noch tuen konnte.

Jetzt wäre es an dem Unternehmen Porsche, Größe zu zeigen, die Äußerung als wirklich unbedacht einzustufen, und dem Jugendlichen eine zweite Chance zu bieten. Hier könnte das Weltunternehmen ein Signal setzen, dass es auf der einen Seite fremdenfeindliche Äußerungen überhaupt nicht duldet, auf der anderen Seite aber einem einsichtigen jungen Mann selbst nach einem wirklich nicht unbedeutenden Fehler, der ihn für sein Leben zeichnen könnte, nicht im Regen stehen zu lassen und ihn bei Fortsetzung der Ausbildung auch sensibler zu machen, für das, was einen emphatischen Menschen ausmacht.

 

Titelbild: Bildschirmfoto des Bildes, das Anlass für den
Porsche-Lehrling war, einen üblen fremdenfeindlichen
Kommentar auf Facebook zu posten.
Er urde daraufhin fristlos entlassen.

 

 

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S T A D T A N Z E I G E R 
‚G E N I A L – N A H‘

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