Verkehrte Welt in der Gesamtschulpolitik? - genial-nah.de

Stadtanzeiger Baesweiler: Nachrichten aus der Stadt – news: genial-nah

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Stadtanzeiger Übach-Palenberg: Nachrichten aus der Stadt – news: #genial-nah

Baesweiler / Übach-Palenberg. Die Gesamtschulpolitik wirkt schon, wie ein Stück aus einer anderen Welt. Die Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre ideologisch intensiv von der CDU-NRW bekämpfte Gesamtschule scheint sich gesellschaftlich wie schulpolitisch grundsätzlich durchgesetzt zu haben.

Der Elternwille ist hier landesweit mehrheitlich eindeutig pro Gesamtschule. Dem trugen auch zwei CDU-Bürgermeister benachbarter Städte Rechnung in ihrer Gesamtschulpolitik und leiteten auf der Verwaltungsebene informelle Sondierungsgespräche über eine mögliche Kooperation beider Städte in Sachen Gesamtschule ein. Eigentlich sollte alles doch in bester Ordnung sein. Doch weit gefehlt!

Wer nämlich geglaubt hatte, die Sozialdemokraten in beiden Städten auf den harten Oppositionsbänken sitzend, wären in Jubel ausgebrochen, weil nun endlich „Ihre Gesamtschulidee“ von vor fast 50 Jahren ins Leben gerufen, endlich für allen Schülerinnen und Schülern beider Städte vor Ort Realität würde und der Elternwille sich auch in zwei CDU-regierten Städten durchgesetzt habe, der wurde enttäuscht. Nichts wurde aus dem möglichen landesweites Signal zu Gunsten der Gesamtschulen durch die extrem ablehnende Gesamtschulpolitik der Genossen.

Die Sozialdemokraten formierten gerade in der Stadt mit einer eigenen Gesamtschule den massiven Widerstand von der Schulleitung über das Kollegium bis hin zur Elternschaft, mobilisierten die Gewerkschaft wie landespolitische Größen in Sachen Schulpolitik, um die noch informellen Gespräche auf Verwaltungsebene, die von Anfang an offen wie ergebnisoffen mit den Betroffenen geführt wurden, zu torpedieren. Sollte zwei CDU-Bürgermeisters der Erfolg einer Gesamtschulkooperation über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg nicht vergönnt sein? Verkehrte Welt?

Rückschau: Der Autor dieses Beitrags traute seinen Augen nicht, war er doch selbst als enger Freund vom damaligen Landrat des Kreises Unna und späteren Kultusminister Jürgen Girgensohn in die Gründungsphase der ersten Gesamtschulen von Nordrhein-Westfalen eingebunden. Zudem seinerzeit im Schulausschuss der Stadt Fröndenberg, die eine der ersten Gesamtschulen errichtet hatte wie selbst als Lehrkraft an der Gesamtschule Kamen-Heeren tätig, kennt er von Anfang an die Entwicklung der Gesamtschulen im Land Nordrhein-Westfalen. Später dann noch intensiv in die Gründungphase einer der ersten NRW-Gesamthochschulen unter Johannes Rau wegen seiner bekannten bildungspolitischen wie fachlichen Kenntnisse vom Minister für Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, Hans Schwier, initiiert, in den Gründungssenat, in den Gründungskonvent, sowie in das Gründungskuratorium der Gesamthochschule Wuppertal, heute Bergische Universität Wuppertal, entsandt.

In dieser Zeit musste sich die Gesamtschulen, wie auch die Gesamthochschulen vieler ideologische motivierter fachfremder Angriffe erwehren, erinnert sich der Autor. Es war nicht immer einfach, sich auf die eigentlichen Aufgabenstellungen zu konzentrieren, weil ständig politisches Sperrfeuer Aufklärung durch breit angelegte Diskussionen erforderte und Ressourcen gebunden hat.

Aus der Perspektive des Autors mit seinem Background ist es unverständlich, mit welcher Zielsetzung heute die Sozialdemokraten im konkreten lokalen Umfeld agieren. Eine für alle Schülerinnen und Schüler offene Schule mit Binnendifferenzierung und Chancengleichheit durch Förderungsmöglichkeiten nach Fähigkeit und Neigung, wie eine individuell bestmögliche Bildungslaufbahn sollte eigentlich nach Auffassung des Autors in jeder Stadt angeboten werden.

Welche Gründe auch immer hier in der konkreten Gesamtschulpolitik den Ausschlag gegeben haben mögen, von Seiten der lokalen Sozialdemokraten die Idee einer Kooperation zweier Städte in Sachen Gesamtschule zu torpedieren mag dahin gestellt bleiben, im Ergebnis ist diese Verweigerungshaltung offensichtlich gegen die Interessen der Eltern wie deren Schulkinder gerichtet, die nun wahrscheinlich kein Gesamtschulangebot in ihrer Stadt erhalten werden. So eine Haltung wäre früher unter Sozialdemokraten völlig undenkbar gewesen, resümiert der Autor. Nebenbei wird durch diese lokal-regionale Blockadepolitik gegen eine Gesamtschulkooperation im Ergebnis wohl in beiden Städten auf den Schultern der bestehenden Realschulen ausgetragen, deren Bestand nunmehr fraglicher den je sein wird.

Gerne hätten wir auch die Sichtweise der SPD-Fraktion im Übach-Palenberger Rathaus zu der hier aufgeworfenen Problematik angemessen Raum gegeben, doch wurde eine Stellungnahme, ja schlichtweg selbst ein Telefonat zum Thema verweigert. So bleibt die Frage: Was wird nun aber jenseits aller „lokalpolitisch- taktischen“ Überlegungen aus dem nicht weg zu diskutierenden Elternwillen, ihre Kinder gerade auf einer Gesamtschule in der eigenen Stadt erfolgreich anmelden zu können?

 

Foto: Jürgen Dackweiler

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