Übach-Palenberg. In unseren Breiten macht sich in ehemals florierenden Stadt- und Stadtteilzentren durch immer mehr Leerstände Tristesse breit. So auch erkennbar in Übach und Palenberg. Die Entwicklung ist kaum ohne größten Aufwand aufzuhalten, den keiner wirklich betreiben will oder kann. Da hilft am Ende wohl nur mehr Wahlfreiheit für Immobilienbesitzer.

Inzwischen erkennbar überreguliert verlieren Steuerungsinstrumente ihren Sinn, wenn es nichts mehr oder nur noch sehr wenig zu steuern gibt. Der Ausschuss für Bauen, Stadtentwicklung und Wohnen der Stadt Übach-Palenberg scheint dem mehrheitlich Rechnung tragen zu wollen. Ihm wurden Pläne vorgestellt, wonach die bisher zwingend vorgeschriebene gewerbliche Nutzung von Erdgeschossen zu Gunsten von Wahlfreiheit für Immobilienbesitzer aufgelockert werden soll.

Die Änderung der bisherigen planungsrechtlichen Festsetzung soll den Eigentümern eine zusätzliche Option zur Nutzung von Geschäftshäusern als Wohnraum bieten. Der Erste Beigeordnete der Stadt, Helmut Mainz betonte, dass hierdurch keine neue Vorschrift entstehen soll, sondern die betroffenen Eigentümer vielmehr frei in der Entscheidung sein werden, wie sie ihren Raum künftig nutzen wollen. Das führe zu einer Belebung der Innenstädte durch mehr fußläufig gelegenen Wohnraum und käme darüber hinaus dem Wunsch vieler Eigentümer entgegen, so Mainz. Auch böten sich so ungeahnte Möglichkeit, problemfrei zusätzlichen barrierefreien Wohnraum im Erdgeschoss zu schaffen, sowie auf die steigende Nachfrage nach hochwertigem Wohnraum gerade in Citylage angemessen reagieren zu können. Die Umnutzung in „neuen Wohnraum werde auch für eine Verschönerung der Gebäude in der City-Lage sorgen“, prognostizierte der Beigeordnete.

Gerade die leichte Erreichbarkeit des Palenberger Bahnhofs biete einen zusätzlichen starken Anreiz für das Wohnen in zentraler Lage für Berufspendler und Studierende.

Das Aachener Planungsbüro Raum-Plan hat bereits erste Erhebungen zu dem grundsätzlichen Vorhaben der Stadt vorgenommen, mehr Wahlfreiheit für Immobilienbesitzer in Citylagen zuzulassen, die Uwe Schnuis vom Planungsbüro dem Ausschuss vorstellte. Nur 38 Prozent der Verkaufsflächen liegen nach Ermittlungen der Planer derzeit in den zentralen Lagen der Stadt, und der Leerstand betrage in Übach 14 Geschäfte und in Palenberg 29 Ladenlokale.

Wahlfreiheit für Immobilienbesitzer bietet offenbar Chancen, die Innenstädte ein Stück weit wiederzubeleben

Bei der Nutzungsfreigabe von Gewerbe- in Wohnflächen dürfe es nach Uwe Schnuis im Ergebnis zu keine Verdrängung von zentrumsrelevanten Gewerben kommen. Die Zweckbestimmung der zu verkleinernden Kerngebiete müsse erhalten bleiben. Auch seien bei der Umwandlung in Wohnraum Kriterien wie die Erreichbarkeit von Pkw-Stellplätzen und ausreichender Lichteinfall zu beachten. „Das neue Wohnen muss auch ein gesundes Wohnen sein“, sagte Uwe Schnuis. Anhand verschiedener Karten wies der Planer auf mögliche Schwerpunkte für die sog. neuen Mischgebiete hin. Für Übach wäre das der östliche Teil und ein großer Abschnitt der Carolus-Magnus-Straße, und für Palenberg sprach Schnuis unter anderem eine mögliche Umwandlung des Mühlenhofs mit dem ehemaligen Rewe-Markt in ein Wohngebiet an.

In der anschließenden Diskussion zur Wahlfreiheit für Immobilienbesitzer waren sich alle Fraktionen darin einig, dass eine mögliche Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnraum letzten Endes stets in der Entscheidung der Immobilieneigentümer selbst verbleiben müsse.

Foto: Hartmut Urban

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One thought on “Wahlfreiheit für Immobilienbesitzer bietet Chancen

  1. Klasse idee, vielleicht finde auch ich als grossfamilie so endlich angemessenen wohnraum

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