Die Redakteure der Aachener Zeitung, Jan Mönch, Thorsten Pracht und Marlon Gego beziehen sich bei der von ihnen so bezeichneten Propaganda-Affäre auf Wolf-Sören Radtke. Hartmut Urban schildert seine Erlebnisse mit dem Berufssoldaten Radtke.

 

 

1. ERLEBNISBERICHT VON HARTMUT URBAN

Ziemlich genau ein Jahr nach der Kommunal- und Bürgermeisterwahl war ich am 12. Mai 2015 vom amtierenden Stadtverbandsvorsitzenden der CDU, Günter Weinen als Vertreter der Presse zur Mitgliederversammlung des CDU Stadtverbandes ins Stadthotel Übach eingeladen worden. An der Versammlung nahmen über 50 Mitglieder teil.

Im Moment der Sitzungseröffnung meldete sich ein junger Herr, den ich bis dahin weder namentlich noch vom Sehen her kannte, per Antrag zur Geschäfts­ordnung zu Wort und fragte nach meiner Erinnerung in die Runde: „Was hat Hartmut Urban hier zu suchen? Ist er inzwischen CDU-Mitglied?“ Da die zweite Frage verneint wurde, fragte jener Herr weiter: „Wer hat ihn dann eingeladen?“ Günter Weinen erwiderte vom Vorstandstisch aus: „Ich“.

Der Herr war damit offensichtlich noch nicht zufrieden und fragte nach: „Liegt hierzu ein Vorstandsbeschluss vor?“ Dies wurde verneint. Jener Herr daraufhin: „Dann soll Herr Urban bitte sofort den Saal verlassen!

Es machte sich für mein Gefühl ein schamhaftes betretenes Schweigen unter den Anwesenden breit, bis es vom Vorstandstisch schließlich hieß: „Herr Urban ist als Vertreter der Presse hier.“ Der mir immer noch unbekannte Herr konterte sofort mit der nächsten Frage: „Ist Herr Urban akkreditiert?

Ich spürte Unmut im Saal und man ging, ohne weiter auf den Herrn einzugehen zur Tagesordnung über.

Nach dem offiziellen Ende der Versammlung erfuhr ich in gemütlicher Runde, dass es sich um den Berufssoldat der Bundeswehr, Herrn Wolf-Sören Radtke, handle. Dieser soll Probleme in seinem Ortsverein Scherpenseel gehabt haben und trat als Vorsitzender dort nicht mehr an. Auch war er laut Aussagen von CDU-Mitgliedern bereits anderenorts durch unangenehme Auf­tritte aufgefallen.

Darum war für mich in Nachhinein auch verständlich, dass Herr Wolf-Sören Radtke bei seiner Kandidatur um einen Posten im Vorstand bei über 50 Wahlbe­rechtig­ten unter den An­wesenden neben seiner eigenen Stimme und der seiner Begleiterin nur zwei weitere erhielt.

Diesen Vorfall hatte ich bis Ende Mai nicht so ernst genommen.

Am 31. Mai 2015 war ich auf dem Freigelände des Ü-Bades anlässlich eines geplanten Berichts zum mehrtägigen Übach-Palenberger Familienfest journalistisch unterwegs. Angenehme Gespräche, unterhaltsame Musik und eine leckere Bratwurst in Aussicht, wollte ich gerade ein paar schöne Fotos zum geplanten Bericht machen.

Plötzlich baute sich der jetzt mir bekannte Berufssoldat Herr Wolf-Sören Radtke auffallend aggressiv vor mir auf. Ich war völlig perplex. Er behauptete, ich hätte ein Foto von ihm gemacht und brüllte mich vor Zeugen an: „Sie löschen das Foto jetzt vor meinen Augen, verstanden, Sie Idiot!“ Ich hatte kein Interesse an einem öffentlichen Konflikt und antwortete: „Ich habe verstanden, dass Sie keine Veröffentlichung wünschen, wo Sie  evtl. drauf sein könnten. Ich wünsche Ihnen noch einen guten Tag.“ Wolf-Sören Radtke rief mir noch cholerisch nach: „Ich hole jetzt die Polizei!

Wie ich später von der Staatsanwaltschaft Aachen durch Einstellung vom 16.Juni 2015 nach §§ 170 Abs.2, 376 StPO erfuhr, hatte der Berufssoldat Wolf-Sören Radtke sogar Strafantrag gegen mich wegen des angeblich gemachten Fotos gestellt.

Da ich die einzelnen Vorfälle mit Herrn Wolf-Sören Radtke nicht bewerten konnte, versuchte ich zu verstehen, worum es Herrn Radtke wirklich ging. Ich recherchierte nach und stieß darauf, dass Herr Radtke den Vorsitz der CDU-Ortsverein Scherpenseel abgeben musste, weil er die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hatte. Er hatte sich mit Auslandseinsätzen z.B. mit folgenden Worten zu entschul­digen versucht:

Und ich halte auch für Eure Sicherheit meinen Arsch hin!

Durch die wiederholten Übergriffe von Herrn Wolf-Sören Radtke, der entgegen der Darstellung in der Aachener Zeitung kein „CDU-Abgeordneter“ ist, ließ ich mich leider dazu hinreißen, in einer Art Abwehrreflex eine Satire über ihn als „kleinen Soldaten“ zu schreiben. In dieser Satire wurden aber keine „erlogene Tatsachenbehauptungen“ aufgestellt und Wolf-Sören Radtke auch keine „Feigheit“ unterstellt.

Aus Kreisen der CDU wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich ihrem Empfinden nach Radtke lächerlich gemacht hätte. Daher habe ich die Satire kurz nach ihrer Veröffentlichung im Internet wieder vom Netz genommen und durch einen Sachstands­bericht unter der Überschrift: „Wolf-Sören Radtke an der Heimatfront“ am 24.Juni 2015 ersetzt, der noch heute online ist. Darin fasste ich Sachlage wie folgt zusammen:

Zusätzlich pikant an der Angelegenheit ist nach meiner Auffassung, dass ein Berufssoldat, der eigentlich unserer Verfassung schützen soll, hier ganz offensichtlich wiederholt massiv initiativ in der wohl irrigen Einschätzung vorgegangen ist, mit Druck könne er die freie Presse einschüchtern oder gar mundtot machen.

 

2. WAS DIE AACHENER ZEITUNG DAZU SCHRIEB

Die Redakteure Marlon Gego, Jan Mönch und Thorsten Pracht der Aachener Zeitung veröffentlichte im Rahmen der von ihnen so bezeichneten ‚Propaganda-Affäre’
am 9.6.2016 unter der Überschrift Wenn ein Bürgermeister Propaganda einkauft:
Einem unbequemen CDU-Abgeordneten, von Beruf Soldat, unterstellte Urban mehr oder weniger direkt Feigheit und bezeichnete ihn wiederholt als ‚kleinen Soldaten“.
(Quelle: Aachener Zeitung, Ausgaben ABCDE, Nr. 132, S.3 vom 9.6.2016)

Die Redakteure Marlon Gego, Jan Mönch und Thorsten Pracht der Aachener Zeitung interviewten im Rahmen der von ihnen so bezeichneten ‚Propaganda-Affäre’ Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch
am 7.10.2016 unter der Überschrift Habe ja nie gesagt, dass ich nichts gewusst habe:

     Warum sind Sie nicht eingeschritten?

Jungnitsch: Sagen Sie mir bitte konkret, welche Beiträge Sie meinen.

     Zum Beispiel den über Ihren Parteifreund Wolf-Sören Radtke. Auch dieser Artikel enthielt erlogene
Tatsachenbehauptungen, auch dieser wurde Ihnen zur Kenntnis gebracht. Was haben Sie dagegen getan?

Jungnitsch: Ich konnte da nichts gegen tun. Sie sagen, es standen erlogene Dinge drin, ich habe das nicht geprüft. Was war das ganz konkret?

     Dass Herr Radtke keine Auslandseinsätze für die Bundeswehr vorgetäuscht hat, wissen Sie in der CDU.

Jungnitsch: Meiner Erinnerung nach ging es auch gar nicht darum…
(Quelle: Aachener Zeitung, Ausgaben C, Nr. 234, S.17  vom 7.10.2016)

 

 

3. REAKTIONEN AUF ARTIKEL IN DER AACHENER ZEITUNG

Thorsten Pracht
hat in Twitter am 1.Juni 2016 geschrieben:
Kollege Jan Mönch hat mal wieder eine Story ausrecherchiert

Thorsten Pracht
in Twitter am 9.Juni 2016 zu@az_topnewsgeschrieben:
Investigativer Kommunaljournalismus, wie heute auf Seite Drei (Bürgermeister Jungnitsch), ist die Überlebensversicherung der AZ

Bernd Mathieu
hat in Facebook am 22.6.2016 zum ArtikelPropaganda-Affäre: Stadt trennt sich von Hartmut Urbangeschrieben:
Ergebnis der guten Recherche-Arbeit unserer Kollegen

 

***

 

AUFRUF: Wer kennt Hans-Werner Baumanns?

Ein besonderer Dank gilt den aktiven Lesern von ‚genial-nah.de’, die mich nach meinem Beitrag über Wolf-Sören Radtke an die Rufmord-Mail eines Hans-Werner Baumanns vom 28.6.2015 unter der Betreffzeile „Verleumdungen von Hartmut Urban im Stadtanzeiger Übach-Palenberg“ erinnert haben.

Diese Rufmord-Mail wurde nach eigenen Angaben von „Hans-Werner Baumanns“ an mehrere hundert-E-Mail-Adressen mit folgender Vorbemerkung verschickt, obwohl die o.g. zurückgezogene Satire ausdrücklich nicht weiterverbreitet werden sollte:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wende mich mit diesem email an Sie damit sie Ihren wirtschaftlichen / politischen bzw. privaten Umgang mit Herrn Hartmut Urban (unter anderem Herausgeber des Stadtanzeigers) überdenken.

Herr Urban treibt seit einiger Zeit wieder sein Unwesen in Übach-Palenberg um sich zu profilieren und seine politischen Gegner zu denunzieren.

Dieses hat mittlerweile größere Ausmaße als früher – hier sei nur mal nur an die vergangenen Schlammschlachten zwischen den Bürgermeisterkandidaten Jungnitsch und Schmitz-Kröll erinnert.

 

Warum es sich meiner Meinung nach hier um eine Rufmord-Mail handelt:

Zu Absatz 1: Hier handelt es sich um meiner Meinung nach um eine kreditgefährdende Äußerung nach § 187 StGB.

Zu Absatz 2: Hier handelt es sich meiner Meinung nach um eine Üble Nachrede nach § 186 StGB.
Wieso soll ich überhaupt „politische Gegner“ haben, wo ich doch nachweislich seit 2005 keiner Partei angehöre und zudem in der Lokalpolitik gar nicht aktiv bin? Zudem wohne ich seit Ende 2005 auch nicht mehr in Übach-Palenberg, was einem politischen Engagement bereits formal entgegensteht?

Zu Absatz 3: Hier handelt es sich meiner Meinung nach um eine Verleumdung nach § 187 StGB.
Behauptet wird, es habe „Schlammschlachten zwischen dem Bürgermeisterkandidaten Jungnitsch und Schmitz-Kröll“ gegeben, was nachweislich nicht stimmt.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Heiner Weißborn stellte im krassen Gegensatz zu der offensichtlichen Fake-News der Rufmord-Mail in der ‚Bürgerzeitung der SPD Übach-Palenberg Panorama’ die gemeinsame Vergangenheit von Wolfgang Jungnitsch und Paul Schmitz-Kröll konkret anläßlich der Haushaltsrede von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch so dar:

Ohne ihn beim Namen zu nennen, wird neben der SPD auch Altbürgermeister Paul Schmitz-Kröll mit zum Sündenbock für die heutige Haushalts- und Finanzsituation herabgewürdigt. Dabei ist die mehr als wohlwollende Unterstützung für Herrn Jungnitsch aus der Wahlkampf- und Vorwahlkampfzeit im Jahre 2009 offensichtlich längst vergessen. Viele Menschen haben die Bilder gemeinsamer Auftritte vor der Wahl, am Wahlabend und auch noch geraume Zeit nach der Wahl in Erinnerung.
(Quelle: SPD-Panorama, Dezember 2012)

***

Mir kommt es so vor, als ob auch der mir zuvor gänzlich unbekannte Wolf-Sören Radtke aufgehetzt und missbraucht wurde. Mein Fehler war es, ich habe diesen ausgelegten Fallstrick – wie viele weitere – bei Zeiten nicht erkannt.

Dass nun auch die Redakteure der Aachener Zeitung, Marlon Gego, Thorsten Pracht und Jan Mönch in ihrer sog- Propaganda-Affäre unter Hinweis auf die von mir längst zurückgezogene Urfassung der in der Rufmord-Mail weiter verbreiteten Satire mindestens zwei klare Fake-News veröffentlichten, passt ins Bild. Auch bezogen auf den nicht mehr autorisierten Artikel zu Dr. Hans Münstermann (siehe Teil 9) zeigte sich ein vergleichbares Verhalten der Zeitung.

Einen weiteren Hinweis könnte die folgende Textpassage der Rufmord-Mail bieten, die ähnlich anfängt wie ein Brief vom Beamten Ralf Kouchen vom 25.4.2014 an die Staatsanwaltschaft zu einem laufenden Ermittlungsverfahren, dass noch weitere Monate dauerte:

Rufmord-Mail vom 28.6.2015, 10:48h an hunderte E-Mail-Adressen:
Herr Urban treibt seit einiger Zeit wieder sein Unwesen in Übach-Palenberg um sich zu profilieren und seine politischen Gegner zu denunzieren.
Ralf Kouchen vom 25.4.2014 an die Staatsanwaltschaft Aachen:
Momentan treibt er [Hartmut Urban] sein Unwesen unter seiner eigenen Identität ….

Hier stellt sich mir die interessante Frage, wer könnte ein gemeinsamer Verfasser sein?

 

Text: Hartmut Urban

Titelbild: Meine Erlebnisreise –
GENIAL-NAH UND WOLF-SÖREN RADTKE

Textdesign: Hartmut Urban

Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre – Vorankündigung
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 1
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 2
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 3
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 4
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 5
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 6
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 7
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 8
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 9
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 10
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 11
Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre –  Teil 12

.

Zum obigen Themenkomplex habe ich bereits grundsätzlich
folgende Beiträge in 2013 und 2014 veröffentlicht: 

Informationslücken: Ein unterschätztes Risiko vermeiden
von Hartmut Urban vom 

Der erfolgreiche Umgang mit der Presse 
von Hartmut Urban vom 

Wenn zwei sich streiten: 
Über die destruktive Wirkung von Eskalationen auf kommunalpolitischer Ebene
von Hartmut Urban vom 

Was müssen Bürger wissen, um aktiv und unverdrossen unsere Demokratie zu leben?
von Hartmut Urban vom 

Hoheit über die kommunale Informationsverbreitung 
– ein wirklich starkes Instrument
von Hartmut Urban vom 

 Wahre Begebenheiten zur sog. Propaganda-Affäre – Teil 7 - Jan Mönch